Informationen | Dossier Grüne Gentechnik 2007

DossierAusbreitung von transgenen Pflanzen kontrollierbar?

Auch wer genmanipulierte Pflanzen an sich nicht für gefährlich hält, möchte vielleicht die Wahl haben, ob Genfood auf seinem Tealler landet oder nicht.

KOEXISTENZ MÖGLICH

Professor Wilhelm Eberhard Weber, Universität Halle-Wittenberg, in der Zeitschrift Mais, 2006: „Die jetzt vorliegenden Ergebnisse bestätigen, dass es keinen Anlass gibt, bei Einhaltung der „Guten fachlichen Praxis“ an der Einstufung der benachbart erzeugten Körnermaispartien als konventionell und nicht-kennzeichnungspflichtig zu zweifeln. Koexistenz im Anbau von gentechnisch verändertem und konventionellem Mais unter hiesigen Bedingungen und landwirtschaftlichen Strukturen ist machbar.“

BISHER NICHT

Genmais büxt aus: Die genmanipulierte Futtermaissorte „StarLink“ wurde von vornherein wegen Allergiegefahr nicht als Lebensmittel zugelassen, ist jedoch nicht mehr aus der Nahrungskette rückholbar. In den USA hat sich „StarLink“ in Nahrungsmitteln so breitgemacht, dass der Geschäftsführer des Pharma- und Chemiekonzerns Aventis, John Witrich, glaubt, das StarLink-Problem sei nie aus der Welt zu schaffen. Die Staatsgrenzen der USA waren keine Hürde für das bedenkliche Gen, es wurde sogar in Exportware für Asien gefunden. Aventis Crop Science wurde inzwischen von Bayer übernommen.

Unkontrollierter Anbau in Deutschland? Im Juni 2007 fand Greenpeace in Brandenburg ein 27 Hektar großes Feld mit dem Genmais MON810, der nicht im Standortregister gemeldet war, was laut Gentechnikgesetz aber vorgeschrieben ist. Derselbe Erzeuger baut entgegen behördlichen Vorschriften Genmais auch in der Nähe eines Naturschutzgebietes an.

Minister Seehofer äußerte in einem Gespräch mit Schrot&Korn im Juni 2007 den Verdacht, dass Gentechnik-Saatgut-firmen auf Informationsveranstaltungen kostenlose Proben mit Genmais abgeben würden. Er zeigte sich besorgt, denn die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung und Überwachung des Anbaus werde so unterlaufen.

Gefahr für Genreservoire: Besonders riskant ist die Ausbreitung von manipulierten Genen in den Ursprungsregionen unserer Kulturpflanzen, den „Zentren der Vielfalt“. Die Landwirtschaft braucht auch heute diese Vielfalt mit ihren genetischen „Reserven“, um deren Eigenschaften auf Kulturpflanzen zu übertragen. Mit den Zentren der Vielfalt ist daher auch die globale Ernährung bedroht. In Mexiko, der Ursprungsregion des Maises und anderer Kulturpflanzen, wurden erhebliche Verunreinigungen durch Genmais festgestellt. Obwohl in Mexiko seit 1998 keine genmanipulierten Maissorten mehr angebaut werden dürfen, fanden Wissenschaftler manipuliertes Erbgut in traditionellen Maissorten.

Illegaler Genreis weltweit: Der gentechnisch veränderte Reis LLRice 601 der Firma Bayer ist noch gar nicht auf Risiken geprüft und darf weltweit weder angebaut, noch als Nahrungsmittel verkauft werden. Dennoch findet er sich Anfang 2006 in 20 % der untersuchten Proben von amerikanischem Langkornreis – weltweit und auch in deutschen Supermarktregalen. In Europa enthielt jede fünfte Reisprobe Spuren von Genreis.

Fazit:

Die derzeitigen Gesetze und Gesetzesvorhaben haben nicht das Ziel, Kontamination zu vermeiden sondern nur zu minimieren und per Grenzwert aus der Welt zu schaffen. Damit wäre einer schleichenden oder eher galloppierenden Kontamination Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt sind aber Illegalität und Schlamperei die größten Quellen für undeklariertes Genfood auf dem Teller.


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