Informationen | Dossier Grüne Gentechnik 2007

DossierAgro-Gentechnik gegen Hunger und Mangel?

Transgene Pflanzen könnten auf versalzten Böden oder in extremer Trockenheit gedeihen oder einen besonders hohen Gehalt an Inhaltstoffen haben und so Mangelernährung ausgleichen.

EINE CHANCE

Die Erfindung ist verblüffend: Schweizer Wissenschaftlern ist es im Jahr 2000 mit gentechnischen Verfahren gelungen, einen mit dem Vitamin A angereichterten Reis zu entwickeln. Die daran geknüpfte Hoffnung: Dieser Reis, heute wegen seiner gelben Farbe „Golden Rice“ genannt, könnte vor Vitamin-A-Mangelerkrankungen schützen wie etwa Erblindung. Weitere Prophezeiungen der Forscher richten sich gegen den Hunger der Welt: Trockenresistente Pflanzen könnten Ernährungsprobleme reduzieren helfen, insgesamt die Ernten mit Gentechnik besser ausfallen als ohne.

FALSCHE LÖSUNG

Schlechtere Ernten mit Gentechnik: Nach Ansicht des Umweltinstituts München gibt es bis heute keine Sorte, die auf höhere Erträge hin gentechnisch verändert wurde. Stattdessen verweist das Institut auf amerikanische Erkenntnisse, wonach im Soja-Anbau mit sechs bis zehn Prozent und im Rüben- sowie im Rapsanbau mit fünf bis acht Prozent Mindererträgen zu rechnen sei. In Indien habe es regelrechte Ertragseinbußen beim Anbau transgener Baumwolle gegeben. Eine Vergleichsstudie aus Ägypten zeige, so die Fachautorin Brigitte Zarzer in ihrem Buch „Einfach Gen:ial“, dass der ökologische Anbau von Baumwolle (in einer Mischkultur mit Basilikum, Chili, Pfeffer und Zitronengras) einen „teilweise sogar höheren“ Ertrag lieferte als der Anbau von Genbaumwolle. Zarzer: „Die biologisch bestellten Felder wiesen einen signifikant niedrigeren Schädlingsbefall auf. Die Nützlingspopulation war höher.“

Goldener Reis: Greenpeace-Aktivist Christoph Then nennt den Golden Rice „überflüssig“. Der Anteil des Beta-Carotins (Vorstufe von Vitamin A) könne auch durch herkömmliche Züchtung erhöht werden. Überdies gebe es genug Pflanzen mit einem hohen natürlichen Beta-Carotin-Gehalt. Zum Beispiel rotes Palmöl, Karotten, Süßkartoffeln, Mango, Papaya, Wassermelonen. Eine Studie zeigt, dass tägliche 75 Gramm des indischen Spinats für eine ausreichende Vitamin-A-Versorgung ausreichen. Dieser Spinat ist preiswert und kann ganzjährig angebaut werden.

Zuchtziel: Abhängigkeit! Der Gentechnikkonzern Monsanto führt Prozesse wegen Patentverletzung gegen Bauern in Kanada, Indien und Indonesien, auf deren Felder unverschuldet transgene Pflanzen gefunden wurden. Bei der EU liegt ein Antrag vor, in solchen Fällen sogar das Strafrecht anzuwenden.

Die Terminator-Technologie hat Pflanzen zum Ziel, die keinen keimfähigen Samen produzieren, sodass die Bauern das Saatgut nicht mehr selbst vermehren können. Die gebräuchlichen transgenen Nutzpflanzen wurden vor allem mit dem Ziel entwickelt, die Bauern an die Pestizide der gleichen Konzerne zu binden. Schlechte Qualität und Menge der Gensaat-Ernten und die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen trieb Bauern in Indien in den Selbstmord, in Indonesien kam es zu Aufständen.

Hunger ist ein Machtproblem. Umwelt- und Entwicklungshilfegruppen sehen in der Gentechnik generell keinen Beitrag zum Abbau des Hungers in der Dritten Welt. Es sei genug Nahrung da, sie sei nur schlecht verteilt.

Fazit:

Fazit: Die Praxis der Gentechnikkonzerne spricht nicht dafür, dass ihnen das Wohl der Bauern am Herzen liegt. Vielmehr scheint das Ziel zu sein, die Bauern in größere Abhängigkeit zu bringen. Gerade in der Dritten Welt gibt es bereits extrem schlechte Erfahrungen mit dem „Segen“ der Agro-Gentechnik.


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