Die Erfindung ist verblüffend: Schweizer Wissenschaftlern
ist es im Jahr 2000 mit gentechnischen Verfahren gelungen,
einen mit dem Vitamin A angereichterten Reis zu entwickeln.
Die daran geknüpfte Hoffnung: Dieser Reis, heute wegen
seiner gelben Farbe „Golden Rice“ genannt,
könnte vor Vitamin-A-Mangelerkrankungen schützen
wie etwa Erblindung. Weitere Prophezeiungen der Forscher
richten sich gegen den Hunger der Welt: Trockenresistente
Pflanzen könnten Ernährungsprobleme reduzieren
helfen, insgesamt die Ernten mit Gentechnik besser ausfallen
als ohne.
Schlechtere Ernten mit Gentechnik: Nach Ansicht des Umweltinstituts
München gibt es bis heute keine Sorte, die auf höhere
Erträge hin gentechnisch verändert wurde. Stattdessen
verweist das Institut auf amerikanische Erkenntnisse, wonach
im Soja-Anbau mit sechs bis zehn Prozent und im Rüben-
sowie im Rapsanbau mit fünf bis acht Prozent Mindererträgen
zu rechnen sei. In Indien habe es regelrechte Ertragseinbußen
beim Anbau transgener Baumwolle gegeben. Eine Vergleichsstudie
aus Ägypten zeige, so die Fachautorin Brigitte Zarzer
in ihrem Buch „Einfach Gen:ial“, dass der ökologische
Anbau von Baumwolle (in einer Mischkultur mit Basilikum,
Chili, Pfeffer und Zitronengras) einen „teilweise
sogar höheren“ Ertrag lieferte als der Anbau
von Genbaumwolle. Zarzer: „Die biologisch bestellten
Felder wiesen einen signifikant niedrigeren Schädlingsbefall
auf. Die Nützlingspopulation war höher.“
Goldener Reis: Greenpeace-Aktivist Christoph Then nennt
den Golden Rice „überflüssig“. Der
Anteil des Beta-Carotins (Vorstufe von Vitamin A) könne
auch durch herkömmliche Züchtung erhöht
werden. Überdies gebe es genug Pflanzen mit einem
hohen natürlichen Beta-Carotin-Gehalt. Zum Beispiel
rotes Palmöl, Karotten, Süßkartoffeln,
Mango, Papaya, Wassermelonen. Eine Studie zeigt, dass tägliche
75 Gramm des indischen Spinats für eine ausreichende
Vitamin-A-Versorgung ausreichen. Dieser Spinat ist preiswert
und kann ganzjährig angebaut werden.
Zuchtziel: Abhängigkeit! Der Gentechnikkonzern Monsanto
führt Prozesse wegen Patentverletzung gegen Bauern
in Kanada, Indien und Indonesien, auf deren Felder unverschuldet
transgene Pflanzen gefunden wurden. Bei der EU liegt ein
Antrag vor, in solchen Fällen sogar das Strafrecht
anzuwenden.
Die Terminator-Technologie hat Pflanzen zum Ziel, die
keinen keimfähigen Samen produzieren, sodass die Bauern das
Saatgut nicht mehr selbst vermehren können. Die gebräuchlichen
transgenen Nutzpflanzen wurden vor allem mit dem Ziel entwickelt,
die Bauern an die Pestizide der gleichen Konzerne zu binden.
Schlechte Qualität und Menge der Gensaat-Ernten und
die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen
trieb Bauern in Indien in den Selbstmord, in Indonesien
kam es zu Aufständen.
Hunger ist ein Machtproblem. Umwelt- und Entwicklungshilfegruppen
sehen in der Gentechnik generell keinen Beitrag zum Abbau
des Hungers in der Dritten Welt. Es sei genug Nahrung da,
sie sei nur schlecht verteilt.
Fazit: Die Praxis der Gentechnikkonzerne spricht nicht
dafür, dass ihnen das Wohl der Bauern am Herzen liegt.
Vielmehr scheint das Ziel zu sein, die Bauern in größere
Abhängigkeit zu bringen. Gerade in der Dritten Welt
gibt es bereits extrem schlechte Erfahrungen mit dem „Segen“ der
Agro-Gentechnik.