Informationen | Dossier Grüne Gentechnik

Gentechnikfrei – ein Standortvorteil

Garantiert gentechnikfreie Produkte werden mit zunehmender Verbreitung des Genanbaus immer seltener – und immer gesuchter. Der Markt jedenfalls will deshalb Genfood nicht haben. Gentechnikfreiheit garantieren können nur große geschlossene Regionen ohne Genanbau. Manche nutzen diesen Standortvorteil bereits.

Neue Arbeit gibt es für Landwirte in Süddeutschland. Sie bauen verstärkt gentechnikfreie Sojabohnen an, als Rohstoff für Bio-Tofu ebenso wie als Futter für Legehennen. Denn die Lebensmittel-Industrie sucht für ihre Produkte gentechnikfreie Sojabohnen, Mais und Raps und zahlt für garantiert saubere Ware auch Aufschläge. Denn mit Genfood ist in Europa und Fernost kein Geschäft zu machen. Besonders sorgfältig müssen die Hersteller von gentechnikfreiem Saatgut arbeiten, um auch geringste Verunreinigung zu vermeiden. Deshalb ziehen sie vermehrt nach Österreich. Dort werden, anders als in Deutschland, überhaupt keine Gen-Pflanzen angebaut. Die Regierung vermarktet ihren strikten Anti-Gentechnik-Kurs gezielt als Standortvorteil. Innerhalb von drei Jahren haben sich dort die Anbauflächen zur Saatgutvermehrung verdreifacht.

Der Molkereikonzern Müller hat von seinen Markenprodukten im Jahr 2004 neun Prozent weniger verkauft. Ein Teil der Verluste, so schätzt das Manager-Magazin, geht auf die Auseinandersetzung mit Greenpeace zurück. Die Umweltschützer hatten Müllers Produkte als „Gen-Milch“ angeprangert, weil die Milchkühe mit Gen-Soja gefüttert werden. Inzwischen stellen die ersten großen Futtermittelwerke auf gentechnikfreie Rohstoffe um. Denn die Nachfrage wächst. Vor allem Geflügelmäster und Eierlieferanten verzichten zunehmend auf Gen-Pflanzen im Futtertrog. Auch mehrere Molkereien denken über eine Umstellung nach. Erfolgreiche Beispiele sind Emmi in der Schweiz und Tirol-Milch in Österreich.

Internationale Gemeinsamkeiten

Um sich und ihre Produkte zu schützen, schließen immer mehr Bio- und konventionelle Bauern ihre Flächen zu gentechnikfreien Zonen zusammen und sagen: „Wir bleiben gentechnikfrei“ .

Engagierte Landwirte verpflichten sich vertraglich, keine Gen-Pflanzen anzubauen. 66 solcher Zonen gibt es in Deutschland, dazu über 1.000 Bauern, die für ihren Hof erklären, dass sie auf Gentechnik verzichten werden. Insgesamt sind das 1,2 Millionen Hektar garantiert gentechnikfreier Anbaufläche. Auch erklären sich zahlreiche Kommunen und Kirchengemeinden für gentechnikfrei. Sie lassen auf ihren Flächen keine Gen-Pflanzen anbauen, kaufen für ihre Schulen, Krankenhäuser oder Kantinen gentechnikfrei ein und machen Öffentlichkeitsarbeit.

Auch in anderen europäischen Ländern wehren sich Bürger und Politiker gegen Genfood. EU-weit haben sich 164 Regionen und Provinzen (vergleichbar mit unseren Bundesländern) zu gentechnikfreien Zonen erklärt. Sie fordern von der EU das Recht, auf ihrem Gebiet den Anbau von Gen-Pflanzen zu verbieten. Mit dabei sind alle österreichischen Bundesländer und alle griechischen Landkreise, der größte Teil der italienischen, französischen und polnischen Provinzen sowie viele britische Regionen. Darüber hinaus haben 4.500 europäische Gemeinden und Landkreise beschlossen, dass sie kein Genfood wollen.

Gentechnikfreie Zonen gibt es auch in Übersee, auf den Philippinen sowie in Mexiko. Ja sogar in den USA haben die ersten Landkreise durch ihre Volksabstimmungen Gen-Pflanzen aus ihrem Gebiet verbannt.

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