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Gentechnik-Gesetz in Gefahr
Wer anderen einen Schaden zufügt, haftet dafür. Das gilt für die vom Fußball zerschossene Fensterscheibe ebenso wie für Gen-Verunreinigungen – bis jetzt. Denn das seit 3. Februar 2005 gültige Gentechnik-Gesetz schreibt vor, dass Landwirte die Gen-Pflanzen anbauen dafür haften, wenn das manipulierte Erbgut ihrer Pflanzen Felder oder Ernte eines gentechnikfrei wirtschaftenden Nachbarn verunreinigt. Damit der Geschädigte zu seinem Recht kommt, gelten drei Regeln:
Diese so genannte Gefährdungshaftung ist keine neue Erfindung der Gentechnik-Gegner, sondern gilt zum Beispiel auch für Autos. Deshalb müssen sich Autofahrer versichern. Doch weder die großen Versicherungen noch die Gentechnik-Konzerne sind bereit, für die angebliche Harmlosigkeit des Gen-Pflanzenanbaus die Haftung zu übernehmen. Deshalb wollen die Konzerne, dass die Steuerzahler haften. Also jeder Bürger – auch die, die gar kein gentechnisiertes Essen wollen. Die Anbauregeln gibt der Staat vor. Weil die Gefahr der Verunreinigung groß ist, soll das Verbraucherministerium den Anbau von Gen-Pflanzen auch fachlich regeln. Dazu gehören zum Beispiel Vorschriften über Mindestabstände zu Feldern mit gleichartigen Pflanzen. Die Verordnung dazu ist noch in Arbeit. Diese so genannte „gute fachliche Praxis“ bedeutet für die Bauern mehr Arbeit und macht das Gen-Saatgut für sie weniger interessant. Deshalb würden die Gentechnik-Konzerne am liebsten die „gute fachliche Praxis“ selbst definieren, quasi als Gebrauchsanleitung für ihre Produkte. Das wäre so, als würde nicht der TÜV, sondern Autoverkäufer über die Verkehrssicherheit eines Autos entscheiden. Anbauflächen müssen bekannt sein. Vor einem Risiko kann sich nur schützen, wer es kennt. Deshalb wird bisher vorgeschrieben, dass Landwirte und Wissenschaftler drei Monate vor der Aussaat die Flächen melden müssen, auf denen sie Gen-Pflanzen anbauen wollen. Flächen und Saatgut werden dann im Internet veröffentlicht (www.standortregister.de). Benachbarte Bauern, Imker und Anwohner können so erkennen, ob und von wem in ihrer Nachbarschaft Gen-Pflanzen angebaut werden. (Noch besser wäre es, wenn die Gen-Bauern ihre Nachbarn auch direkt informieren müssten.) Den Gentechnik-Konzernen passt diese Transparenz nicht. Denn vor Ort kommt es dadurch schon vor der Aussaat zu heftigen Diskussionen. In diesem Jahr verzichteten anschließend mehr als die Hälfte der ursprünglich interessierten Bauern auf den Gen-Anbau.
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