Die Anbauer von Gen-Pflanzen und gentechnikfrei wirtschaftende
Landwirte sollen friedlich nebeneinander existieren können.
So behaupten es die Gentechnik-Befürworter und so
sieht das auch die EU-Kommission. Doch die friedliche Koexistenz
wird es nicht geben. Weil sich gentechnisch veränderte
Organismen (GVO) nicht daran halten.
Gen-Pflanzen geben ihr manipuliertes Erbgut weiter wie
jede andere Pflanze auch: Mit Hilfe von Blütenstaub,
der von Wind und Insekten zu anderen, gentechnikfreien
Pflanzen der gleichen oder einer ähnlichen Art, übertragen
wird. Samen von Gen-Pflanzen können über Jahre
hinweg im Boden verborgen bleiben, bevor sie keimen. Sie
können beim Transport auf Feldraine fallen und dort
keimen. Sie können bei Ernte, Lagerung und Verarbeitung
gleichartige gentechnikfreie Produkte verunreinigen. Um
Rohstoffe und Lebensmittel vor diesen Verunreinigungen
wirkungsvoll zu schützen, ist ein immens hoher Aufwand
nötig, wie viele Studien zeigen. Das Dilemmaist klar:
Sollen die Auflagen die gentechnikfreie Landwirtschaft
wirkungsvoll schützen, wird der Anbau von Genpflanzen
wirtschaftlich uninteressant. Sind die Auflagen so locker,
dass Gen-Pflanzen ein rentables Geschäft würden,
bedeutet es das Aus für eine gentechnikfreie Landwirtschaft.
Koexistenz
im Alltag
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche
Landwirtschaft (AbL) hat den Stand der Koexistenz-Debatte
zusammengefasst.
Kontaminations-Register Die
englische Organisation Genewatch listet
alle bekannt gewordenen Fälle auf, in denen gentechnikfreie
Futter- oder Lebensmittel von genmanipuliertem Erbgut
verunreinigt wurden. Zum
aktuellen Report geht´s hier
Die
Europäische Kommission glaubt an die Koexistenz.
Ihr neuester Sachstandsbericht zeigt
jedoch, dass es in den wenigstens Mitgliedsstaaten
Regeln dafür gibt. Die neuesten
Studien der EU machen deutlich, dass Koexistenz
so einfach nicht zu verwirklichen ist.
Das Umweltbundesamt hat
2002 vom Öko-Institut und vom Forschungsinstitut
für biologischen Landbau FibL untersuchen lassen,
unter welchen Bedingungen Grüne Gentechnik und ökologische
Landwirtschaft nebeneinander existieren könnten.
In einer weiteren Studie für den Bund
für Umwelt und Naturschutz BUND haben die
beiden Institute detailliert die möglichen Pfade
einer Gen-Verunreinigung dargestellt.
Eine Studie der EU-Kommission zeigt,
dass bei zehn Prozent Genpflanzen-Anbau bei bestimmten
Sorten eine gentechnische Verunreinigung nicht zu verhindern
ist (englisch).
Die Leitlinien
der EU-Kommission stellen den Rahmen dar, innerhalb
dessen die einzelnen Mitliedsstaaten selbst regeln
sollen, wie Koexistenz funktionieren soll.
Das Öko-Institut hat
für des Bundesverbraucherministerium die Genfood-Politik
der EU unter die Lupe genommen.
Am Beispiel des Bundeslandes
Oberösterreich hat sich die österreichische
Bundesregierung Szenarien entwerfen lassen, wie eine
gentechnikfreie Landwirtschaft gesichert werden könnte.
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau
FibL hat für das Schweizer
Umweltbundesamt untersucht und dargestellt, wie
die Bio-Branche sich gegen derzeit Gen-Verunreinigungen
schützt.
Ebenfalls vom FibL hat sich das Schweizer
Umweltbundesamt Vorschläge erarbeiten lassen,
wie eine gentechnikfreie Bioproduktion in der Schweiz
gesichert werden könnte.
Gone
to Seed Diese englischsprachige Studie dokumentiert,
wie sehr in den USA dastraditionelle Saatgut für
Mais, Soja uns Raps bereits mit Gen-Saaten verunreinigt
ist.
Contamination
Worldwide Friends of Earth hat weltweit eine
Reihe von Fällen von GVO-Verunreinigungen zusammen
getragen. Ausführlich geschildert wird auch
der Star Link - Skandal in den USA.
Die
Bedeutung des Gentransfers durch Pollen In dieser
Studie von 2002 untersuchte die Europäische
Umweltagentur für sechs Kulturpflanzen die Ausbreitug
von GVO über Pollen. Das höchste Risiko
besteht bei Raps.
Warenflusstrennung
von GVO in Lebensmitteln Die Prognos AG analysiert
in dieser Studie von 2001, wie die Warenströme
getrennt werden müssten, um bei Mais und Soja
GVO-Freiheit sicherzustellen. Deutlich werden die
kritischen Punkte im Warenfluss und der erforderliche
hohe Aufwand