Nachrichten | 18.7.2004

Gebrochene Versprechen

Genmanipulierte Baumwolle treibt Bauern in Indonesien und Indien in den Ruin

Sie sollen den Bauern in Entwicklungsländern sichere Ernten und höhere Erträge garantieren. Doch immer öfter zeigt sich, dass genmanipulierte Pflanzen für die kleinen Farmer nur Nachteile haben. Das britische Institute of Science in Society hat dies am Beispiel Baumwolle genauer dargestellt.

„Die Anpflanzung von Gen-Baumwolle hat uns mehr geschadet als genützt.“ Dieses Fazit zog Ende letzten Jahres der indonesische Landwirtschaftsminister. Sein Land hatte 2001 als erster Staat in Südostasien genmanipulierte Baumwolle von Monsanto zugelassen. Der Konzern hatte behauptet, Gen-Baumwolle sei umweltfreundlich, würde weniger Pestizide brauchen, eine üppige Ernte und zunehmenden Wohlstand der Bauern garantieren.

Die Realität sah ganz anders aus. Die Pflanzen waren besonders empfindlich gegen die im ersten Pflanzjahr herrschende Dürre. Hunderte von Hektar wurden von Schädlingen befallen. Denn die Gen-Baumwolle war nur gegen einen Schädling resistent, der in Indonesien keine große Rolle spielte. Gegen weit gefährlichere Schädlinge jedoch war sie besonders anfällig. Die Bauern mussten deutlich mehr Pestizide spritzen und hatten deutlich geringere Erträge als ihre Kollegen, die herkömmliche Baumwolle angepflanzt hatten. Durch die kümmerlichen Erträge gerieten die Bauern in einen Kreislauf von Schulden. Etwa 70 Prozent der 4.438 Bauern, die Gen-Baumwolle angebaut hatten, konnten nach dem ersten Pflanzjahr ihren Kredit, den sie von einer Tochtergesellschaft von Monsanto für den Kauf von Saatgut und Dünger bekommen hatten, nicht zurückzahlen. Dennoch verdoppelte das Unternehmen im kommenden Jahr die Preise für das Gen-Saatgut und senkte gleichzeitig die Preise für den Aufkauf der Gen-Baumwolle. Das Institute of Science in Society zitiert eine der betroffenen Bäuerinnen mit den Worten: „Die Gesellschaft ließ den Bauern keine Wahl, sie hatten nie im Sinn, unser Wohlbefinden zu verbessern, sie haben uns nur in eine Schuldenfalle gestürzt, uns unsere Unabhängigkeit genommen und uns für immer zu ihren Sklaven gemacht. Sie versuchen alles zu monopolisieren:das Saatgut, den Dünger, den Vermarktungsweg und sogar unser Leben“ Das Vorgehen führte zu so starken Protesten der Bauern, dass sich Monsanto Ende 2003 ganz aus Indonesien zurückzog.

Die von Indonesien gemachte Erfahrung wiederholt sich bei vielen Bauern in Indien, wo 2002 drei Sorten von Gen-Baumwolle zum ersten Mal in den zentralen und südlichen Landesteilen kommerziell angepflanzt wurden. Die Versprechen waren die gleichen wie in Indonesien. Zahlreiche Studien zeigten jedoch, dass die Gen-Baumwolle ein schlechteres Ergebnis brachte als herkömmliche Pflanzen und die Ernte zuweilen vollkommen ausfiel. Es gab Berichte über mangelnde Keimfähigkeit, Schäden bei Dürrebedingungen, Anfälligkeit für Wurzelfäule und andere Krankheiten. In manchen Gegenden wurden die Gen-Pflanzen sogar von jenen Schädlingen aufgefressen, gegen die sie eigentlich resistent sein sollten. Die Ernte-Erträge der Gen-Bauern lagen ein Drittel unter denen der anderen Baumwoll-Farmer. Sie hatten jedoch mehr für das Gen-Saatgut bezahlt, fast ebenso viele Pestizide eingesetzt und bekamen wegen mangelnder Qualität für ihre geringere Ernte auch noch einen schlechteren Preis. Die Regierung des indischen Bundesstaates Gujarat kam zu dem Schluss: „Gen-Baumwolle ist ungeeignet für den Anbau ist und sollte vom Staat verboten werden.“ Doch die indische Regierung hat statt dessen weitere Gen-Baumwollsorten zur Vermarktung zugelassen. Indien ist übrigens einer der weltweitgrößten Baumwoll-Produzenten. Ein Teil der Ernte wird zu Textilien für den deutschen Markt verarbeitet.

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