| Nachrichten | 23.7.2004 | |
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Medikamente vom Acker Fraunhofer-Institut will Mais als Pharma-Pflanze nutzen Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern und Südafrika wollen in den kommenden fünf Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen entwickeln und mit deren Hilfe Medikamente herstellen. Ziel des „Pharma-Planta“ genannten Projekts ist es, Impfstoffe und Medikamente zur Behandlung von Aids, Tollwut, Diabetes und Tuberkulose zu produzieren Die EU-Kommission hat vorerst 12 Millionen Euro zur Finanzierung bewilligt. Auf deutscher Seite ist das Fraunhofer-Institut für Molekulare Biotechnologie beteiligt. Bisher werden einzelne Medikamente mit Hilfe genmanipulierter Mikroorganismen hergestellt. Die Nutzung von Pflanzen soll die Produktion erheblich verbilligen. Dabei werden die meist menschlichen Gene für die Produktion der gewünschten Wirkstoffe isoliert und in eine Pflanze eingebracht. Die genveränderten Pflanzen werden vermehrt und angebaut. Aus den geernteten Pflanzen wird dann der Wirkstoff gewonnen. In bisherigen Versuchen haben die beteiligten Wissenschaftler Tabak und Mais als Pharmapflanzen favorisiert. Mit der Marktreife eines ersten so produzierten Medikamentes rechnen Forscher in drei Jahren. Das Umweltinstitut München e.V. hat das Projekt massiv kritisiert und geht davon aus, dass eine Verunreinigung von Nahrungsmitteln durch den genmanipulierten Pharma-Mais unvermeidbar wäre. Als Beispiel verweist Andreas Bauer, Gentechnik-Experte des Umweltinstituts, auf Freisetzungsversuche in den USA. Trotz strenger Überwachung wurden dort transgene Maiskörner, die einen Impfstoff gegen eine Viruskrankheit bei Schweinen produzieren, in einen Silo in Nebraska im Schweinefutter gefunden. Käme eine solche nicht verordnete Medizin in die Nahrungskette, könnte dies lebensbedrohliche Folgen für die Konsumenten haben. "Neuartige Lebensmittelskandale wie ungewollte Tollwutimpfungen durch in die Nahrungskette gelangten Pharma-Mais drohen", befürchtet Bauer. „Die Folgen des Anbaus genmanipulierter Nahrungspflanzen auf die Umwelt sind schon katastrophal genug, Medikamente mit menschlichen Genen, die sich selbständig auf Feldern und in der Nahrungskette verbreiten, sind ein Alptraum“. Als Gipfel des Zynismus wertet es das Umweltinstitut, dass die europäischen Forscher für den Anbau ihrer Pharma-Pflanzen wegen der Ablehnung innerhalb der EU Südafrika ins Auge gefasst haben. |
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