Nachrichten | 15.9.2004

Blindes Vertrauen

In den USA wird Genfood ohne ordentliche Prüfung zugelassen

Die US-Landwirtschaftsbehörde FDA (Federal Department of Agriculture) hat bisher darauf verzichtet, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) vor der Zulassung umfassend zu überprüfen. Statt dessen hat sie sich lediglich auf die Angaben der Produzenten verlassen, dass diese GVO als ungefährlich anzusehen seien. Diese Vorwürfe erhob der Rechtsanwalt Steven Druker in einen Artikel in der Financial Times. Druker ist Direktor der gentechnik- kritischen Organisation "Alliance for Biointegrity". Die Informationen kamen ans Tageslicht, als er gegen die FDA vor Gericht zog und diese zur Veröffentlichung von Unterlagen gezwungen wurde.

Druker argumentiert, dass die FDA mit ihrem Vorgehen gegen US-Recht verstoßen habe. Um ein Lebensmittel ohne nähere Prüfung als unbedenklich einstufen zu können ("generally considered as safe", GRAS), müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens muss ein Konsens unter den wissenschaftlichen Experten über die Sicherheit bestehen - jeder Dissens macht eine GRAS- Bewertung unmöglich. Interne FDA-Dokumente belegen laut Druker , dass die Mehrheit der FDA-Experten der Meinung war, dass GVO unabwägbare Risiken mit sich brächten und deshalb nicht als sicher gelten könnten. In einem Brief an einen kanadischen Gesundheitsbeamten habe der FDA-Biotechnologie-Koordinator zudem zugegeben, dass auch außerhalb der Behörde kein Konsens über die Sicherheit von GVO bestand.

Zweitens schreibt das Gesetz vor, dass auch ein Konsens auf verlässlichen Daten basieren muss, die diese Meinung bestätigen. In einer internen Mitteilung der FDA wurde laut Druker zugegeben, dass die Behauptungen der Biotech-Firmen faktisch keine Datenbasis hatten. Fakt sei, so Gentechnik-Kritiker Druker, dass die zuständigen Beamten der FDA eine Anweisung des Weißen Hauses erhalten hätten, die Biotech- Industrie zu fördern und die Gesetzeslage nicht zu beachten. Das Ergebnis sei, dass Genfood ohne jegliche Versuche auf den Markt gekommen sei, mit dem falschen Argument, dass es einen überwältigenden Konsens der Experten gegeben habe.

Bestätigt werden diese Vorwürfe im Kern durch einen Report der National Academy of Sciences. Darin wird festgestellt, dass die FDA keine unabhängigen Versuche und Analysen durchführt, sondern sich nur auf die Unterlagen stützt, die ihr von den Gentechnik-Konzernen freiwillig zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen: www.biointegrity.org

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