Nachrichten | 30.6.2005

Gentechnik - Frisch vom Bäcker?

Genverändertes Sojaöl ohne Kennzeichnung

Der Duft von frischem Brot und reschen Semmeln lässt einem in der Bäckerei so richtig das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch so einigen Verbrauchern wird der Appetit auf die wohlschmeckenden Backwaren vergehen. Oft steckt Gentechik drin!

Da wird dem Bäckermeister ganz anders: Wenn er sich nach genauem Studium der Verpackungskartons seines seit Jahren verarbeiteten Sojaöls plötzlich mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass er Brötchen und Kuchen mit gentechnisch veränderten Zutaten backt.

Wie unserem Bäcker geht es den meisten deutschen Bäckern. - "Sie wissen nicht was sie tun" - Die Abläufe in einer konventionellen Großbäckerei sind geprägt von einem schnellen, reibungslosen Ineinandergreifen sämtlicher Arbeitsschritte. Und so wurde in vielen Bäckereien jahrelang das Brölio Sojaöl im 10 Liter Karton geordert und verarbeitet. Was die meisten Bäcker jedoch nicht wussten: Brölio Sojaöl wird vom Hersteller jetzt sogar billiger angeboten weil es aus gentechnisch veränderten Sojaöl hergestellt ist.

Erst eine telefonische Anfrage "unseres Bäckers" bei der Firma Brölio brachte es an den Tag, dass es sich bei diesem Produkt um ein Öl aus gentechnisch veränderten Sojabohnen handelt. Mit diesem Wissen besah er sich die Deklaration noch einmal und entdeckte unter vielem Kleingedruckten, u.a. hergestellt "aus gentechnisch veränderten Sojabohnen".

So wie diesem Bäcker geht es sicher noch vielen. Sie ordern Öl, das sie seit Jahren in der Backstube verwenden und erhalten vom Hersteller keinen offiziellen, bzw. gleich in den Blick fallenden Hinweis, dass das Produkt gentechnisch veränderte Zutaten enthält. Kein Wunder, die Ölmühlen wissen, dass die Mehrheit der Lebensmittelverarbeiter und Verbraucher Gentechnik im Essen ablehnen.

"Der Kunde kauft im guten Glauben Kuchen frei von Gentechnik und erhält ohne sein Wissen Gensoja serviert. Das ist eine unverantwortliche Praktik und ein bewusstes Unterlaufen des Verbraucherwillens!" so Anton Daxenbichler vom ökologischen Anbauverband Biokreis e.V.

Leider aber ein alltägliches Problem. Greenpeace hat bereits im letzten Jahr bei Stichproben in Restaurantküchen festgestellt, dass viele Küchenchefs gar nicht wissen, dass sie gentechnisch verändertes Öl verwenden. Damals ging es um die 10 Liter-Dose "Sedina", die, obwohl neuerdings mit gentechnisch veränderten Inhalten, im gleichen Design den Anschein des herkömmlichen Öls suggerierte.

Mit derartigen Verkaufspraktiken wird es dem Verbraucher immer schwerer gemacht, sich gentechnikfrei zu ernähren, und das wollen schließlich rund 75% der Menschen. Daher plädiert der Biokreis für eine auffällige Kennzeichnung gentechnisch veränderter Zutaten. Und er bittet Bäcker und Küchenchefs doch einen kritischen Blick auf das Öl zu richten und es gegebenenfalls, wie der eingangs erwähnte Bäcker, an die Lieferanten zurückzusenden. Dem Verbraucher bleibt leider nur das Nachfragen. Eine Orientierungshilfe sind die Einkaufsführer von Greenpeace "Essen ohne Gentechnik".

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