Nachrichten | 4.7.2005

Haberfeldtreiben gegen Agro-Gentechnik

Felderprobung angeprangert

Veranstaltet vom Bund Naturschutz Bayern e.V. und dem ökologischen Anbauverband Biokreis e.V. hat ein Haberfeldtreiben gegen Agro-Gentechnik im niederbayerischen Rotthalmünster stattgefunden. Rund 250 Bauern und Verbraucher, teils aus dem benachbarten Österreich, brachten mit Transparenten, Blechtrommeln, Kuhglocken und Topfdeckeln lautstark ihren Unmut über die Vorgehensweise von Landwirtschaftsämtern und Politik im Zusammenhang mit der Agro- Gentechnik zum Ausdruck.

Unterstützung erfuhren sie von prominenter wie auch kompetenter Seite von Sepp Daxenberger, Biobauer und Bürgermeister aus Waging am See. Vor der Höheren Landbauschule Rotthalmünster, die im Rahmen eines Sortenversuchs Genmais angesät hat, prangerten alle Redner die Felderprobung einer Technik an, die letztendlich in ihren Auswirkung auf Mensch, Tier und Natur noch nicht gänzlich erforscht ist. Karl Haberzettl vom Bund Naturschutz sowie Edith Lirsch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) waren sich einig, dass der Protest gegen die Agro-Gentechnik mit vielen Aktionen intensiv fortgeführt werden muss. Gerhard Reiter, Sprecher der grenznahen Biobauerngruppe Schärding, erklärte sich mit den bayerischen Kollegen, ob biologisch oder konventionell wirtschaftend, solidarisch im Kampf gegen die Gentechnik, da über den Pollenflug auch die österreichischen Bauern gefährdet sind.

Sepp Daxenberger brachte es dann in seiner Rede auf den Punkt: Die Agro-Gentechnik hat zum Ziel, Landwirte in die Abhängigkeit zu treiben, denn Gentech-Saatgut muss, da patentiert, jedes Jahr neu gekauft werden. Auch darf bei herbizidresistenten Pflanzen nur das von der jeweiligen Firma produzierte Herbizid eingesetzt werden. An ein freies, eigenverantwortliches Wirtschaften ist hierbei nicht mehr zu denken. Außerdem gehe mit dem Einzug der Gentechnik ein Großteil der Sorten verloren und damit auch die Vielfalt. "Damit haben wir eine endgültige "McDonaldisierung" unserer Gesellschaft. Bauern werden zu billigen Rohstofflieferanten degradiert, die austauschbar sind. Sie sitzen in der Mangel zwischen Lebensmittelindustrie, Patentinhabern und Ausgleichszahlungen", so Sepp Daxenberger. Heftige Kritik ging auch an die Adresse namhafter Vertreter des Bauernverbandes: "Der Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner regiert gegen diejenigen, die ihn in diese Position gebracht haben." Auch das von den Befürwortern der Agro-Gentechnik so gerne ins Spiel gebrachte Thema "friedliche Koexistenz" wurde vom Sepp Daxenberger mit einem drastischen Bild belegt: "…das ist, als wenn ein Elefant fliegen müsste!"

Neben den Landwirten beteiligten sich auch Verbraucher an dem Protest gegen die Agro-Gentechnik. Rund 75% der deutschen Verbraucher sind nach Umfragen gegen gentechnisch veränderte Zutaten in Lebensmitteln. Sie fürchten nicht nur, dass immer mehr Lebensmittel solche Zutaten enthalten, sie vermuten auch, dass es durch schlampigen Umgang mit den Rohstoffen zu Verunreinigungen kommt, die dann auf dem Endprodukt nicht deklariert sind. "Wie kann man nur gegen den Willen der Verbraucher, nur dem Profit gehorchend, eine solche Technologie in die Welt setzen, von der man weiß, dass man sie nicht wieder zurückholen kann?", so eine Mutter, die ihren drei Kindern gerne eine lebenswerte Umwelt hinterlassen würde.

Nach der Kundgebung ging es im Fackelzug unter der Musikbegleitung der Eichberg-Musi zur Versuchsfläche zum Haberfeldtreiben. Haberer Alfons Schwitz: "Wo Lug und Trug zum Himmel stinkt, und wo der Brauch ist, dass man Worte bricht, da tagt das Haberfeldgericht." In der traditionellen Form des Haberfeldgerichts klagte er vor allem die Volksvertretungen an, die sich von Großkonzernen bestechen lassen und dabei Ängste und Wünsche der Bauern und Verbraucher ignorierten, Bedenken wegwischten und Gefahren vertuschten. Und wenn es trotz aller Beteuerungen doch schief geht, dann gibt es mit Sicherheit einen Schuldigen: den Bauern!

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