Nachrichten | 15.8.2005

EU-Kommission hält zu Monsanto

Der Gen-Mais MON 863 darf verfüttert werden

Die EU-Kommission hat die Einfuhr der umstrittenen Gen-Maissorte MON 863 als Futtermittel genehmigt. Damit setzt sich die Behörde über die Bedenken zahlreicher Mitgliedsstaaten hinweg. MON 863 hatte bei Fütterungsversuchen mit Ratten Blutbildveränderungen und Nierenschäden verursacht.

MON 863 ist so manipuliert, dass die Pflanze ein Gift herstellt, welches sie gegen den Maiswurzelbohrer resistent macht. Angebaut wird dieser Mais vor allem in den USA, wo er auch als Lebensmittel zugelassen ist. Vor einem Jahr hatten französische Wissenschaftler veröffentlicht, dass eine von Monsanto vorgelegte Fütterungsstudie auf gesundheitliche Risiken hinweise. Monsanto bestritt dies und erklärte die Ergebnisse mit Zufälligkeiten. Sowohl die deutsche Fachbehörde, das Robert-Koch-Institut, als auch die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit schlossen sich dieser Haltung an und erklärten den Mais für harmlos.

Die Studie selbst blieb - bis auf eine öffentliche Zusammenfassung - geheim. Erst vor Gericht erreichte Greenpeace eine Veröffentlichung. Die Umweltorganisation kommt in ihrer Überprüfung der 1000-Seiten-Studie zu dem Ergebnis, dass die "Dokumente deutliche Hinweise darauf geben, dass im vorliegenden Fall tatsächlich gesundheitliche Schäden bei Ratten ausgelöst werden können. Zudem erscheint der Versuchsaufbau mangelhaft und die statistische Auswertung fragwürdig." In einer Risikobewertung für die Bundesregierung kam der Gentechnik-Experte Professor Arpad Pusztai zu dem Ergebnis, dass man MON 863 nicht zulassen dürfe. Deutschland stimmte dennoch für eine Zulassung.

Die unterschiedliche Bewertung spaltete auch den für die Zulassung zuständigen Ausschuss der Kommission und den Rat der EU-Umweltminister. In beiden Gremien gab es ein Patt, Die 25 Länder konnten sich nicht auf die zwei-Drittel-Mehrheit einigen, die notwendig gewesen wäre, um die Zulassung zu erteilen oder abzulehnen. In solchen Fällen entscheidet die Kommission selbst. Sie hat für Monsanto entschieden und begründet dies so: "Die Maissorte MON 863 wurde einer rigorosen Risikoabschätzung unterzogen und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit so sicher wie herkömmlicher Mais eingestuft. Präzise Vorschriften werden sicherstellen, dass das Produkt, sobald es auf dem Markt ist, rückverfolgt und überwacht werden kann."

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