Nachrichten | 8.9.2005

Ziviler Ungehorsam

Gentechnik-Gegnerinnen wollen auch im kommenden Jahr Felder „befreien“

Über 200 Menschen folgten der Einladung der Aktion „Gendreck weg“ zum Erntedankfest vor dem Brandenburger Tor. Aktions-Mitbegründer und Imkermeister Jürgen Binder lud in Imkerkleidung einen Haufen gentechnisch veränderter Maises auf der Bühne ab. Er bekannte sich öffentlich dazu, ein Genfeld in Brandenbuirg eigenhändig abgemäht zu haben. Mehrere Dutzend Menschen bekundeten ihre Entschlossenheit, in der kommenden Saison selbst (wieder) Hand an Genfelder zu legen.

Unterstützung bekamen sie von zwei prominenten Gastrednern. Jean Baptiste Libouban hat in Frankreich eine Bewegung von „Freiwilligen MäherInnen“ gegründet, der inzwischen über 5.000 Menschen angehören. Er ermutigte die Teilnehmer der Veranstaltung, entschlossen gegen Gentechnik vorzugehen, auch mit Mitteln zivilen Ungehorsams: „Es ist schlimm und schwierig, das Gesetz zu brechen – aber es ist schlimmer, nichts zu tun, wenn das Gesetz die Starken gegen die Schwachen schützt.“ Die „kleine Arbeit“ dabei sei, die Felder zu mähen, die große Herausforderung, die Gesetze wieder zu ändern und die Demokratie zu stärken.

Aus Kanada reiste der Landwirt Percy Schmeiser an. Seine Geschichte wurde auf der ganzen Welt bekannt: Der Agrarkonzern Monsanto verklagte den Landwirt, auf dessen Feld gegen seinen Willen patentierten Monsanto-Genpflanzen wuchsen, auf Lizenzgebühren. Der Farmer hatte stets selbst gezüchteten Raps angebaut, seine Felder wurden jedoch durch herabfallende Saat von Erntelastwagen der Nachbarn verseucht. Er warnte: „Wer einmal anfängt mit der Gentechnik, kann nicht mehr zurück. In Kanada gibt es inzwischen keinen Raps und kein Soja mehr, das nicht gentechnisch verseucht ist.“ Die Gentechnik und die Knebelverträge der Konzerne nehmen den Bauern das Recht, ihre eigene Ernte wieder auszusäen.

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