Nachrichten | 12.9.2005

Gen-Pollen im Honig

Imker warnen vor einer Aufweichung des Gentechnikgesetzes

Der deutsche Berufs- und Erwerbs-Imkerbund (DBIB) sieht die Imkerei in Deutschland in Gefahr, falls nach der Wahl, wie von CDU/CSU und FDP angekündigt, das Gentechnikgesetz gekippt wird. Wenn in einem Land gentechnisch veränderte Organismen angebaut würden, könnten dort keine gentechnikfreien Bienenprodukte mehr erzeugt werden, argumentiert der DBIB. Als Beleg präsentierte der Verband aktuelle Untersuchungen.

Ein Imker hatte seinen Bienenstand in der Nähe eines Gen-Mais-Erprobungsfeldes der bayerischen Staatsregierung. Seine Blüten-Pollenernte war laut DBIB zu 4,1 Prozent mit Pollen des Gen-Maises Mon-810 von Monsanto kontaminiert. Dies ist ein Vielfaches des von der EU festgelegten Schwellenwertes von 0,9 Pozent und führt zur Kennzeichnungspflicht dieses Pollens.

Der DBIB ließ auch zwei Proben Raps-Honig aus Kanada, gekauft in deutschen Supermärkten, untersuchen sowie einen aus den USA mitgebrachten US-Bio-Honig. In allen drei Proben fand sich Erbgut des RoundUpReady Rapses von Monsanto. Diese Ergebnisse bestätigen laut DBIB die Warnungen der Imkerverbände und stünden im Widerspruch zu den Einlassungen der Agro-Gentechnik-Befürworter, die eine Gefahr für die Imkerei hartnäckig leugnen würden.

„Wir fordern die Beibehaltung und Stärkung des jetzigen Gentechnikgesetzes und die Einstellung des wissenschaftlich unnötigen Erprobungsanbaus in Deutschland.", sagte Manfred Hederer, Präsident des DBIB. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden zeigen, dass es „keine gentechnikfreien Bienenprodukte mehr geben wird, wenn die von Frau Merkel angekündigte Gentechnikwende in Deutschland Wirklichkeit wird.“

Sein DBIB-Vorstandskollege Walter Haefeker erläuterte das ausführlicher: "Ein Bienenvolk beweidet mindestens 30 Quadratkilometer. Eine Kontamination kann von vielen Flächen im Flugkreis der Bienen ausgehen, wenn der GVO-Anbau zur Regel werden sollte. Die Analysekosten, um festzustellen, ob unsere Produkte gentechnikfrei sind, werden die Imkerei für die Mehrheit der Imker unwirtschaftlich machen. Damit ist auch die Bestäubung in Natur und Landwirtschaft in Gefahr."

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