Nachrichten | 19.9.2005

Alltägliche Schlamperei?

Monsanto-Tochter sät Gen-Zucchini aus

Die Seminis Vegetable Seeds Germany, eine Tochter des US-Konzerns Monsanto, hat in der Pfalz ungenehmigt gentechnisch veränderte Zucchini freigesetzt. Zwar sind die nach Angaben der Firma die versehentlich ausgesäten Pflanzen alle noch vor der Blüte wieder eingesammelt worden. Doch die Frage bleibt, wie oft solche Vorfällen unentdeckt bleiben.

Die in Niedersachsen ansässige Firma informierte die Behörden selbst darüber, dass irrtümlicherweise 90 Gramm Mustersaatgut einer gentechnisch manipulierten Zucchinisorte für firmeneigene Feldversuche an die deutsche Niederlassung geschickt worden waren. Die Gen-Zucchini sind seit 1997 in den USA als Lebensmittel zugelassen, nicht jedoch in der EU. Sie verfügen über gentechnisch eingebaute Resistenzen gegen drei Pflanzenviren. In der EU ist diese Zucchinisorte nicht zugelassen.

Nach Firmenangaben wurde nur ein Teil des genmanipulierten Saatgutes im Gewächshaus ausgesät. Die 68 Keimlinge hätten Mitarbeiter sowohl auf dem Firmengelände als auch in ihren Gärten einge pflanzt. Nachdem der Fehler bei einer internen Kontrolle aufgefallen sei, habe man alle Keimlinge und das nicht verwendete Saatgut in das nächstgelegene, behördlich dafür zugelassene Gewächshaus des Unternehmens in den Niederlanden verbracht. Da die Gen-Zucchini nicht geblüht hätten, schließt das Unternehmen Auskreuzungen auf konventionelle Pflanzen aus. Auch sei kein Gen-Saatgut in den Handel gekommen. Derzeit überprüfen rheinland-pfälzische Behörden die in Frage kommende Flächen daraufhin, ob wirklich alle genveränderten Pflanzen weggeschafft wurden. Seminis versprach, zusätzliche Kontrollmechanismen einzuführen und den Versand von Gen-Saatgut einzuschränken.

Die Frankfurter Rundschau kommentierte den Vorfall so: „Die internationalen Saatgutkonzerne wissen aufgrund ihrer eigenen Kontrollen ganz genau, was sie tun. Sie dulden unerlaubtes Handeln oder gehen mindestens unglaublich lax mit der Materie um. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass die Konzerne die Ausfälle bewusst in Kauf nehmen. Denn ein Nebeneffekt könnte ein schleichendes Gefühl der Ohnmacht sein: Weil man nichts mehr gegen die Durchsetzung der Gentechnik tun kann, schluckt man die vermeintlichen Errungenschaften - obwohl sie keiner braucht und kaum einer will.“

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