Nachrichten | 26.9.2005

Gentechnik auf dem Holzweg

Bäume sollen bis in den Himmel wachsen

Weltweit wachsen in Feldversuchen und kommerziellen Plantagen genmanipulierte Bäume. Sie sollen schneller groß werden und der Papierindustrie besonders viel Zellstoff liefern. Auch mit zahlreichen Obstbäumen experimentieren die Forscher. Kritische Wissenschaftler warnen davor, dass sich das manipuliertes Erbgut der Bäume ungehindert ausbreiten kann.

Bisher nimmt die Öffentlichkeit gentechnisch veränderte (gv) Bäume und Sträucher kaum wahr. Aufgrund ihrer Langlebigkeit bilden sie jedoch eine besondere Gefahr für die biologische Vielfalt. Denn das Erbgut kann sich über Samen, Pollen und teilweise auch die Wurzeln über Jahrzehnte hinweg verbreiten. Auch können sich die gentechnisch hinzugefügten Eigenschaften im Laufe eines Baumlebens verändern, was zu unvorhersehbaren und vor allem ungewollten Nebeneffekten führen würde. Der Gen-ethische Informationsdienstes GID hat deshalb gentechnisch veränderte Gehölze zum Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe gemacht.

Nach Angaben des GID werden derzeit zwei gv-Baumarten kommerziell angebaut. Das eine sind Papayas, die gegen einen Pflanzenvirus resistent gemacht wurden. Sie wachsen in Hawaii und in staatlichen Versuchsplantagen in Thailand. Von dort wurden im vergangenen Jahr Auskreuzungen auf Nachbarplantagen gemeldet. Die zweite manipulierte Baumart sind Pappeln, die eine Insekten-Resistenz auf der Basis des Bt-Gens (Bacillus thuringiensis) tragen. Von ihnen sollen in China bisher etwa 1,4 Millionen Stück angepflanzt worden sein.

Zahlreiche weitere Baumarten befinden sich noch im Stadium von Feldversuchen, dies aber in fast allen Regionen der Welt. Besonders weit gediehen sind laut GID die Versuche mit Bt-Kiefern, die ab 2008 kommerziell in Chile angebaut werden sollen. Die Genmanipulationen in den vom GID für jede Baumart aufgelisteten Feldversuchen gehen in drei Richtungen: Obstbäume sollen gegen Pilze und Schädlinge resistent gemacht werden. Herbizid- und Insektenresistente Bäume sollen den industriellen Anbau erleichtern. Bäume mit geringerem oder verändertem Ligningehalt sollen schneller wachsen und von den Zellstoffwerken leichter zu verarbeiten sein. „International sind Firmen und Konzerne aus der Papier- und Zellstoff-Branche die treibenden Kräfte hinter der Forschung und Entwicklung gentechnisch veränderter Bäume. Dabei spielen die drei Forstbäume Pappel, Eukalyptus und Kiefer die zentralen Rollen“, schreibt der GID. In Deutschland dagegen zeige keine Firma derzeit Interesse, transgene Bäume oder Sträucher zu entwickeln. Hier gingen alle Initiativen von staatlichen Forschungsprogrammen aus.

Weitere Informationen

  • Die Datenbank Transgen listet die gentechnischen Veränderungen und Freisetzungen bei Obstbäumen auf

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