Nachrichten | 26.9.2005

Baumwoll-Anbau

Bio schlägt Gentechnik: weniger Schädlinge, geringere Kosten

Eine Studie des Zentrums für nachhaltige Landwirtschaft im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh zeigt: Ökologisch angebaute Baumwolle ist der Gentechnik-Baumwolle von Monsanto überlegen. Die ungespritzten Pflanzen waren weniger anfällig gegen Krankheiten, die Schädlinge wurden von natürlichen Feinden besser in Schach gehalten. Gleichzeitig mussten die Öko-Farmer wesentlich weniger Geld für Saatgut und Schädlingsbekämpfung ausgeben.

Die indischen Wissenschaftler hatten rund 240 Farmer aus einem Dutzend Dörfer befragt. Die Hälfte von ihnen baute Gentechnik-Baumwolle an, die das Gift des Bacillus thueringiensis (Bt) produziert, und setzte zudem synthetische Pestizide ein. Die andere Hälfte pflanzte eine Vielzahl traditioneller Sorten, verzichtete auf Spritzgifte und arbeitete mit natürlichen Mitteln wie Neem-Öl. Für alle gängigen Schädlinge meldeten die Gen-Farmer höhere Befallsquoten als ihre Öko-Kollegen. Am deutlichsten war der Unterschied beim Baumwollkapselwurm, einer Schmetterlingsraupe. Vier Prozent der Öko-Bauern meldeten einen starken Befall ihrer Felder mit dem Schadinsekt. Bei den Gen-Farmern waren es 32 Prozent. Dabei sollte das von der Bt-Baumwolle produzierte Gift eigentlich diesen Schädling abtöten. Ähnlich groß waren die Unterschiede bei einigen saugenden Insekten wie Weißen Fliegen oder Blattläusen.

Auf die Frage, ob es denn einen hohen Anteil nützlicher Insekten es auf ihren Baumwollpflanzen gebe, konnte kein Gen-Farmer mit „ja“ antworten. 82 Prozent sagten, der Anteil sei niedrig, 11 Prozent konnten gar keine Nützlinge entdecken. Bei den Öko-Bauern hingegen meldeten 70 Prozent einen hohen und 21 Prozent einen mittleren Anteil an Nutzinsekten. Die indischen Wissenschaftler werteten dies als Beleg dafür, dass die Bt-Baumwolle viele Nutzinsekten tötet und dadurch auch die Nahrungsbasis für Vögel und kleine Säugetiere zerstört.

Die Studie listete auch die Kosten der beiden Anbausysteme auf. Das Saatgut für die Gen-Baumwolle war dreieinhalb mal so teuer wie die traditionellen Sorten. Für die Schädlingsbekämpfung mussten die Gen-Farmer sieben mal mehr bezahlen als ihre ökologisch wirtschaftenden Kollegen. Die Ernteerträge wurden in dieser Arbeit nicht erfasst. Es gibt jedoch bereits mehrere Studien, die belegen, dass die Bt-Baumwolle schlechtere Erträge liefert als traditionelle Sorten.

powered by