Nachrichten | 27.10.2005

Der Terminator kehrt zurück

Gentechnik-Kritiker machen gegen steriles Gentechnik-Saatgut mobil

Die US-Firma Delta&Pine und die US-Regierung haben sich nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace vom europäischen Patentamt ihre "Terminator"-Technologie patentieren lassen. Damit können Pflanzen gentechnisch so manipuliert wurden, dass ihre Samen nicht mehr keimen. Ähnliche Patente – auf für andere Gentechnik-Konzenrne -wurden in ähnlicher Form bereits in den USA und jüngst auch in Kanada erteilt. Angemeldet sind sie zudem in Australien, Brasilien, China, Japan, der Türkei und Südafrika. Eine weltweit tätige „Stoppt-Terminator“-Kampagne versucht, eine Vermarktung des sterilen Saatgutes zu verhindern.

Als „Terminator“-Technologien bezeichnet man Verfahren, die Pflanzen durch gentechnische Veränderung unfruchtbar machen. Einmal geerntete und wieder ausgesäte Samen können nach diesem Verfahren keine neuen Pflanzen produzieren - sie verfaulen in der Erde. Das hindert Landwirte daran, einen Teil ihrer Ernte in der nächsten Anbausaison als Saatgut zu verwenden und zwingt sie, zu jeder Aussaat neues Saatgut zu kaufen. Die Jahrtausende alte nützliche Praxis, Saatgut „nachzubauen“, untereinander zu tauschen und an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, wird unterbunden. Für die Sortenvielfalt und die Ernährungssicherung bedeutet dies nach Ansicht von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen einen fatalen Schlag.

Entwickelt hatten die Technologie bereits vor zehn Jahren multinationalen Saatgutkonzerne zusammen mit der US-Regierung, um Landwirte daran zu hindern, das sie ihr selbst geerntetes Saatgut wieder anbauen. Später priesen die Konzerne Terminator-Saatgut als Beitrag zur Biosicherheit an. Es sollte verhindern, dass Gen-Pflanzen sich ungewollt auskreuzen. Doch das Argument verfing nicht. Aufgrund internationaler Proteste empfahl die UNO-Konvention über biologische Vielfalt (CBD) im Jahr 2000, dass die Regierungen keine Freilandtestung oder Vermarktung von Technologien zur genetischen Saatgutsterilisation zulassen sollen. Aufgrund dieses internationalen Moratoriums ist das Thema Terminator aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Im Hintergrund jedoch haben die Konzerne weiter geforscht und Lobbyarbeit geleistet.

Deshalb versuchen derzeit mehrere Regierungen, dieses Moratorium zu kippen. Der geeignete Zeitpunkt dafür wäre im März 2006, wenn sich die Unterzeichnerstaaten der Konvention in Brasilien treffen. Die Vorbereitungszeit auf dieses Treffen wollen zahlreiche Organisationen nutzen und ihre Regierungen bestärken, nationale Verbote der Terminator-Technologie zu beschließen. Brasilien und Indien haben dies schon getan. In Deutschland ist ein breites Bündnis an Organisationen gerade am Entstehen.

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