Nachrichten | 15.12.2005

Gen-Mais im Schnitzel?

Italienische Forscher finden manipulierte DNA-Bruchstücke in Schweinen

Wissenschaftler der Universität Piacenza in Italien haben erstmals im Blut und verschiedenen Organen von Schweinen Bruchstücke des manipulierten Erbgutes der Maissorte Mon 810 nachgewiesen. Die Forscher selbst sahen darin kein Problem. Für Gentechnik-Kritiker wirft der Fund dagegen Fragen auf.

Raffaele Mazza und seine Kollegen hatten Schweine 35 Tage lang gefüttert, die eine Hälfte mit Gen-Mais MON 810, die andere Hälfte mit herkömmlichem Mais. Bei der Untersuchung fanden sie im Blut sowie in Leber, Nieren und Milz - nicht jedoch in den Muskeln - Bruchstücke typischer Mais-Gene. Bei den mit MON 810 gefütterten Schweinen fanden sie auch Bruchstücke des eingebauten Gens, das für die Produktion des Bt-Toxins verantwortlich ist. Ein komplettes intaktes Gen oder noch aktive Bruchstücke konnten sie jedoch nicht entdecken. Daraus schlossen die Forscher, dass das Risiko, Genfood zu essen ebenso klein ist, wie das, herkömmliche Pflanzen zu verspeisen. Der Online-Dienst www.heise.de weist darauf hin, dass die Studie von Monsanto unterstützt wurde.

Werner Müller, Gentechnikexperte der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 bewertet die Forschungsergebnisse aus Italien anders: „Der Gedanke, dass nach dem Konsum eines Frühstücks mit Cornflakes, im Blut von Kindern und Erwachsenen synthetische genetische Sequenzen im Blut herum schwimmen und von dort in verschiedenen Organen gelangt, ist keineswegs beruhigend. Handelt es sich doch bei diesen Sequenzen, um menschengemachte künstliche Sequenzen, die in keinem einzigen Lebewesen der Erde vorkommen. Sowie Pestizide im Blut nichts verloren haben, so haben auch künstliche Gene nichts im Blut verloren.“

Nach Müllers Ansicht weiß man noch viel zu wenig über die Wirkung von fremder DNA auf den tierischen oder menschlichen Organismus. Er verweist auf Forschungsarbeiten aus Israel, die nahelegen würden, dass DNA aus der Nahrung Wirkungen auf das Immunsystem zeigen könne. Mögliche Auswirkungen von fremder DNA auf den Organismus von Säugetieren oder Menschen seien aber für die Risikobewertung bei der Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bisher kaum berücksichtigt worden. „Im Sinne einer maximalen Vorsorge müssen diese Zusammenhänge vor einer Zulassung geklärt sein. Beim derzeitigen Wissenstand GVO kontinuierlich zuzulassen widerspricht einem verantwortungsvollem Umgang mit einer neuen, in vielen Bereichen noch unbekannten Technologie“, argumentiert Müller.

Die Studie im Original

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