Nachrichten | 11.1.2006

Eklatante Mängel

US-Aufsichtsbehörde für Freisetzungsversuche in der Kritik

Ein staatliche Untersuchungsbericht hat der für die Kontrolle von Freisetzungsversuchen zuständigen Abteilung des US-Landwirtschaftsministeriums massive Schwächen vorgeworfen. Die Behörde sei nicht in der Lage, die von ihr genehmigten Anbauversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen angemessen zu überwachen.

Der 75-seitige Bericht stammt vom Generalinspekteur (Inspector General) des Ministeriums. Seine Mitarbeiter hatten 91 Versuchsflächen in 22 Bundesstaaten besichtigt und dabei überprüft, ob die staatlichen Kontrollen dieser Versuche den offiziellen Regelungen entsprachen. Penibel listete der Generalinspekteur die dabei festgestellten Mängel auf. Demnach hatte die Aufsichtsbehörde APHIS nicht einmal einen vollständigen Überblick darüber, wo sich die zu kontrollierenden Versuchsflächen genau befanden. Die erste Empfehlung des Generalinspekteur lautete deshalb, die Behörde solle sich erst einmal die GPS-Koordinaten aller Versuchsflächen geben lassen, um diese in Zukunft genau orten zu können. Bei durchgeführten Kontrollen bemängelte der Bericht fehlende Vorgaben für die Prüfer und fehlende Unterlagen von Seiten der kontrollierten Unternehmen. Auch mache sich die Aufsichtsbehörde zu wenig Gedanken darüber, was mit den geernteten Gen-Pflanzen passiere. In zwei Fällen entdeckten die Mitarbeiter des Generalinspekteur in Scheunen große Mengen genmanipulierter Pflanzen, die längst vernichtet sein sollten. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die derzeitigen Regelungen und Abläufe „nicht weit genug gehen, um eine sichere Einführung der landwirtschaftlichen Biotechnologie zu gewährleisten.“

Jeremy Tager, Gentechnik-Experte bei Greenpeace, sieht in dem Bericht „eine außerordentliche Lektüre, wenn man berücksichtigt, dass es ein regierungsamtliches Dokument ist.“ Ob der Bericht mit seinen deutlichen Empfehlungen zu wesentlichen Verbesserung führt, ist fraglich. Bereits vor gut zehn Jahren hatte der Generalinspekteur die APHIS überprüft und dabei Mängel aufgelistet, die im neuen Bericht immer noch nicht behoben waren. Die Behörde war mit einem Teil der Ergebnisse nicht einverstanden und erklärte, sie habe in den vergangenen beiden Jahren wesentliche Verbesserungen umgesetzt.

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