Nachrichten | 23.1.2006

Gentechnik bedroht Arbeitsplätze

Babykost-Hersteller Hipp droht mit Abwanderung

Sollte Agrarminister Horst Seehofer mit seinen Plänen zur Aufweichung des Gentechnikrechts ernst machen, will Claus Hipp, Deutschlands größter Hersteller von Babykost, die Produktion ins Ausland verlegen. Dies bestätigte Hipp in mehreren Interviews.

Auf der Grünen Woche in Berlin erklärte Hipp: „Wenn das Gentechnikgesetz nicht mehr sicherstellt, dass die deutschen Bauern uns weiterhin gentechnikfreie Rohstoffe zu angemessenen Preisen anbieten können, müssen wir verstärkt im Ausland einkaufen. Auf Dauer stellt sich dann die Frage nach dem Standort unserer Produktion". Derzeit beschäftigt Hipp etwa 1.000 Angestellte und hat 3.000 Bio-Bauern unter Vertrag. Die meisten davon in Deutschland. Der Firmensitz ist im oberbayerischen Pfaffenhofen.

Keine 50 Kilometer entfernt wohnt Agrarminister Horst Seehofer. Den nahm Claus Hipp in einem Interview in der Frankfurter Rundschau persönlich in die Pflicht. Auf die Frage, ob seine Abwanderungsdrohung eine Reaktion auf Seehofers gentechnikfreundliche Äußerungen sei und auf dessen Überlegungen, die Haftungsregeln für Gentechnik zu lockern, sagte Hipp: „Herr Seehofer hat einige sehr vernünftige Dinge gesagt: Zum Beispiel, der Wille des Verbrauchers sei für ihn oberstes Gebot. Er hat weiter gesagt, er werde nichts tun, was die Gesundheit der Menschen und die Umwelt belastet. Und drittens sollen verschiedene Methoden gleichwertig zum Einsatz kommen können, aber keine darf die andere beschädigen. Wenn er das so wahr macht, dann kann er beruhigt sein und ich auch.“

Die Rundschau fragte den Unternehmer, was ihn so versöhnlich stimme. Schließlich habe Seehofer gesagt, er wolle den Anbau von Gen-Pflanzen stärker befördern. Hipp antwortete: „Ich habe ihn so verstanden, das er alles tun wird, um die Bio-Bauern nicht zu beschädigen. Der Minister muss jetzt nur das umsetzen, was er versprochen hat. Und das tut er ja normalerweise.“

Protest gegen Seehofers Gentechnik-Pläne kam auch von Stammwählern. Im Wahlkreis des Landwirtschaftministers schlossen sich 2.100 konventionelle Bauern zur gentechnikfreien Region Ingolstadt zusammen. 84 solcher Initiativen gibt es inzwischen in Deutschland. Verschwindend gering ist dagegen die Zahl der Landwirte, die in diesem Jahr Gen-Mais aussähen wollen. Im amtlichen Standortregister für Gen-Pflanzen sind nur wenige hundert Hektar gemeldet.

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