Nachrichten | 20.2.2006

Amtlich entlarvt:

Neue Gen-Pflanzen sind wirtschaftlich uninteressant

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Bundestages (TAB) hat seinen Bericht „Grüne Gentechnik - Transgene Pflanzen der 2. und 3. Generation" vorgelegt. Er befasst sich mit den von den Gentechnik-Konzernen oft angekündigten Gen-Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen. Sie sollen zum Beispiel durch den Wegfall von Allergenen, gesündere Fettsäuremuster oder mehr Nährstoffen einen zusätzlichen Nutzen für die Verbraucher haben und so die Akzeptanz von Genfood erhöhen. Das TAB kommt in seinem Bericht für den Bundestag zu dem Ergebnis, dass solche Pflanzen im weltweiten Anbau noch keine Rolle spielen. Bisher würden die gentechnisch vermittelten Resistenzen gegen Herbizide und bestimmte Insekten dominieren.

Der Bericht gibt an, dass es bisher erste elf Gen-Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen gebe, die für den Anbau zugelassen seien. Darunter seien ein Raps mit einem hohen Gehalt an Laurin als Rohstoff für die chemische Industrie sowie eine Sojabohne mit erhöhtem Ölsäuregehalt. Die Pflanzen sind in den USA seit 1994 beziehungsweise 1997 für den Anbau zugelassen, „sind bislang allerdings auf dem US-amerikanischen Markt erfolglos und werden daher praktisch nicht angebaut“, heißt es im Bericht. Wirtschaftlich uninteressant sind auch die neuen anderen Pflanzen: fünf länger haltbare Tomaten, eine länger haltbare sowie zwei blau blühende Nelken und ein nikotinreduzierter Tabak. In der EU sind nur die drei Nelken zugelassen. Eine Industriekartoffel mit veränderter Stärkezusammensetzung ist im Genehmigungsverfahren.

Bei den Freisetzungsanträgen spielen die genannten Gen-Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen mit 20 Prozent in den USA und 15 Prozent in der EU ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Freisetzungen wertet der Bericht als Indikator für weit fortgeschrittene Forschungen. Denn erst, wenn eine Genmanipulation im Labor und im Treibhaus erfolgreich war, kommt die Pflanze für weitere Versuche ins Freiland. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass für die meisten funktionellen Inhaltsstoffe die bislang verfolgten Gentechnikansätze nicht ausreichen, um auch wirtschaftlich attraktive Gehalte der Inhaltsstoffe in den Pflanzen zu erzielen.

Weiter fortgeschritten sind die Versuche, Pflanzen so zu manipulieren, dass sie medizinische Wirkstoffe produzieren. Das TAB berichtet von 15 Wirkstoffen, die bereits in verschiedenen Phasen klinischer Prüfungen getestet werden, die Mehrzahl davon für seltene Krankheiten. Ob diese Wirkstoffe auch wirtschaftliche Chancen haben, hänge von den Kosten der herkömmlichen Produktion ab sowie von der Strenge der Anbauregelungen.

Der TAB-Bericht Nr. 104 „Grüne Gentechnik - transgene Pflanzen der 2. und 3. Generation“ wird in Kürze als Bundestagsdrucksache veröffentlicht. Eine Kurzfassung findet sich hier.

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