Nachrichten | 20.3.2006

Kontaminationen ohne Ende

Register listet 113 Fälle von Gen-Verschmutzung auf.

Die britische Initiative Genewatch und Greenpeace International erfassen in einem Kontaminations-Register bekannt gewordene Fälle von gentechnischen Verunreinigungen. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht zogen die beiden Organisationen eine Bilanz der ersten zehn Jahre kommerziellen Gentech-Anbaus. Von 1996 bis 2005 verzeichnete das Register insgesamt 113 Fälle von Verunreinigungen, illegalen Freisetzungen und sonstigen negativen Beeinträchtigungen der gentechnikfreien Landwirtschaft.

Die meisten der Vorfälle entfielen auf die vier gängigen Gen-Pflanzen. Mais führt die Liste mit 35 Prozent an, dahinter kommen Soja (23 Prozent), Raps (18 Prozent) und Baumwolle mit 9 Prozent. Bei allen weiteren Verunreinigungen handelte es sich, mit Ausnahme von kommerziell angebauten Papayas, um Pflanzen, deren manipuliertes Erbgut aus Laboratorien oder Freisetzungsversuchen stammte. Betroffen von Verunreinigungen waren bisher 39 Länder.

In der Mehrzahl der Fälle übertrugen Wind oder Insekten das manipulierte Erbgut auf gleichartige gentechnikfreie Pflanzen. Als weitere Kontaminations-Ursachen listet der Bericht mangelhafte Qualitätskontrollen und unzureichende Getrennthaltung nach der Ernte auf. In 17 Fällen kam es zu illegalem Anbau von Gen-Pflanzen. Dabei zählt das Register einzelne nicht genehmigte Freisetzungsversuche ebenso auf wie den großflächigen Anbau von Gen-Saaten, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Dies ist vor allem in Brasilien, Indien und Rumänien der Fall. Hinzu kommen noch acht wissenschaftlich untersuchte und bestätigte Fälle von gravierenden Nebenwirkungen des Gen-Pflanzenanbaus. Dazu zählen mehrere herbizidresistente Unkräuter, die sich in den USA und Argentinien ausgebreitet haben, sowie die erste Resistenz eines Baumwoll-Schädlings gegen Gen-Baumwolle. Auch die massiven Ernteeinbußen indischer Bauern durch Gen-Baumwolle sind aufgelistet.

Aus den beschriebenen Fällen zieht der Report die folgenden Schlüsse:

  • Die gegenwärtigen Kontrollen der manipulierten Organismen sind ineffektiv und fehleranfällig.
  • Gentechnik-Konzerne und staatliche Behörden sind oft nicht in der Lage, den illegalen Handel mit Gen-Saatgut zu verhindern.
  • Es gibt keine unabhängigen Kontrollsysteme, die Verunreinigungen, illegale Freisetzungen und negative Auswirkungen systematisch nachspüren und sie untersuchen. Deshalb werden viele Fälle gar nicht entdeckt. Die Dunkelziffer ist hoch.
  • Potentiell gefährliche Genmanipulationen können aufgrund der schlechten Kontrollen und der betrieblichen Geheimhaltungspraktiken unbemerkt in die Nahrungskette gelangen.
  • Die wirtschaftlichen Kosten der entdeckten Verunreinigungen waren hoch und werden dies auch in Zukunft sein. Die gesundheitlichen, ökologischen und sozialen Kosten können immens sein.

Auch in 2006 wird sich das Register weiter füllen. In China fanden Labore genmanipulierten Reis in Babynahrung. In Brasilien entdeckten Fahnder ein illegales Versuchsfeld des Gentechnik-Konzerns Syngenta mit manipulierten Soja-Bohnen.

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