Nachrichten | 4.4.2006

Gesunde Gen-Kartoffeln?

Manipulierte Knollen gegen Sehschwäche oder Cholera

Die Technische Universität (TU) München und die Universität Rostock planen Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Kartoffel. Die Rostocker Forscher wollen einen Impfstoff gegen Cholera produzieren und haben dazu Erbgut des Erregers in die Knollen übertragen. Die TU München hat Kartoffeln so manipuliert, dass sie mehr Carotinoide enthalten. In beiden Fällen laufen derzeit die Genehmigungsverfahren und die Einwendungsfristen.

Pommes mit Cholera-Genen?

Wissenschaftler des Instituts für Landnutzung der Universität Rostock wollen auf ihrem Versuchsgut Groß Lüsewitz erstmals in Deutschland genmanipulierte Pharma-Pflanzen ins Freiland aussetzen. Pharma-Pflanzen sind durch gentechnische Methoden so verändert, dass sie pharmazeutisch wirksame Proteine, Antikörper, Impfstoffe oder Hormone produzieren. Dabei geht es meist nicht um neue Wirkstoffe, sondern darum, Produktionskosten zu senken. Die Rostocker Wissenschafler haben für die Produktion von Impfstoffen Gene aus dem Cholera-Bakterium und aus einem Virus, das die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (RHD) - eine meist tödlich verlaufende Erkrankung - hervorruft, in zwei verschiedene Kartoffellinien transferiert.

Das Umweltinstitut München hat die Argumente gegen diesen Versuch zusammengestellt und eine öffentliche Einwendung an das für die Genehmigung zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zum Ausdrucken ins Netz gestellt. Harald Nestler vom Vorstand des Umweltinstitut München e.V. fasst die Einwände so zusammen: "Niemand sollte Gene aus Pest oder Cholera, den Geißeln der Menschheit, in unsere Nahrungsmittel einbauen. Pharma-Pflanzen stellen eine gefährliche Ausweitung der Risikotechnologie Gentechnik dar. Wenn Medikamente in Nahrungspflanzen auf freiem Feld hergestellt werden, sind die Lebensmittelskandale der Zukunft vorprogrammiert."

Kartoffel orange

Gelbe Rüben sind gut für die Augen. Das liegt vor allem an dem Carotinoid Zeaxanthin. Die TU München hat schon vor Jahren ein Gen-Kartoffel mit besonders viel Zeaxanthin entwickelt und in Freisetzungsversuchen getestet. Doch die öffentlichen Forschungsgelder liefen aus, bevor die Versuche abgeschlossen waren. Nun will die TU auf ihrem Versuchsgut Roggenstein mit neuen Geldern die noch fehlende Risikoforschung nachholen. „Zeaxanthin-Kartoffeln sind so sinnvoll wie eine Neuerfindung des Rads", meint dazu Andreas Bauer, Agrarwissenschaftler und Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München e.V. Zeaxanthin komme in zahlreichen Gemüsearten in ausreichender Menge vor, etwa in Bohnen, Salat und Mais. "Darüber hinaus ist es ein völlig verfehlter Ansatz, falsche Ernährung mit einer Technologie zu bekämpfen, die Ökosystem und Verbraucher neuen unakzeptablen Risiken aussetzt", so Bauer weiter. Das Umweltinstitut engagiert sich seit Jahren gegen die Kartoffelversuche und hat gegen die beantragte neuerliche Freisetzung Einwände zusammengestellt, die man ausdrucken und an die Genehmigungsbehörde schicken kann.

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