Nachrichten | 7.4.2006

Protest in Wien

Vertreter aus 20 Ländern fordern von der EU-Kommission eine Landwirtschaft ohne Gentechnik

3000 Demonstranten aus 20 europäischen Staaten demonstrierten in Wien für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Anlass der Kundgebung war eine Tagung der EU-Kommission mit dem Titel „Freedom of choice“, die sich mit dem Problem der Koexistenz befasste. Vertreter zahlreicher Umweltverbände und gentechnikfreier Regionen Europas übergaben EU-Landwirtschafts-Kommissarin Mariann Fischer Boel eine „Wiener Erklärung für ein gentechnikfreies Europa“.

Darin fordern sie für die europäischen Regionen und Länder das Recht, sich für eine gentechnikfreie Umwelt und Ernährung zu entscheiden. Dazu solle die EU bis 2007 die Möglichkeit der Schaffung von gentechnikfreien Regionen rechtlich absichern. „Die Sicherung einer gentechnikfreien Landwirtschaft hat Vorrang vor der Marktzulassung von GVO, und die traditionelle gentechnikfreie Agrarerzeugung hat das Vorrecht vor einem neuen, risikobehafteten GVO-Anbau,“ heißt es in der Erklärung. Sie verlangt auch ein Reinheitsgebot für Saatgut und einen Umbau der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die wegen ihrer gentechnik-freundlichen Haltung immer wieder kritisiert wird. Zur Begründung der Forderungen heißt es in der Erklärung: „In der Europäischen Landwirtschaft gibt es keine realistische Chance für die Koexistenz zwischen gentechnisch veränderter und gentechnikfreier Landwirtschaft, wie es auch keine Koexistenz zwischen Stille und Lärm im selben Raum geben kann:“

Genau diese Koexistenz war das Thema der Parallel stattfindenden EU-Tagung „Freedom of Choice“. Konkrete Ergebnisse gab es keine. Die EU-Kommission hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass es vor 2008 keinen Vorschlag für eine EU-einheitliche Koexistenzregelung geben werde. Dennoch will der österreichische Landwirtschaftsminister Josef Pröll das Thema bei den nächsten Ministerräten für Umwelt und Landwirtschaft behandeln. Pröll machte auf der Konferenz die kritische Haltung Österreichs zur Grünen Gentechnik deutlich und sagte zu deren Abschluss, er hoffe, dass die Diskussion über die Koexistenz zwischen gentechnisch veränderter und konventioneller bzw. biologischer Landwirtschaft "an Schärfe und Tempo gewinnen wird".

Jens Karg, Gentechnik-Sprecher der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000, zog eine negative Bilanz der Tagung: „Die Konferenz hat keine sinnvollen Lösungen für das Problem mit gentechnisch veränderten Pflanzen gebracht. Vielmehr hat sich gezeigt, dass EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel keinen Millimeter von ihrer verantwortungslosen Zulassungspolitik abrückt. Die EU-Kommissarin wird also weiter verhindern wollen, dass wirksame Schutzmaßnahmen wie Anbauverbote oder gentechnikfreie Regionen umgesetzt werden.“ Erfreut zeigte sich Karg über die breite Resonanz des Protestes. „Die starke Beteiligung von Gruppen aus über 20 Staaten hat gezeigt, dass die Europäerinnen und Europäer keine Gentechnik in ihrem Essen und in der Landwirtschaft wollen. Besonders hat uns gefreut, dass so viele Bäuerinnen und Bauern gekommen sind. Die EU-Kommission muss zur Kenntnis nehmen, dass Europa keine Gentechnik in der Landwirtschaft haben will, auch wenn die USA und die WTO noch so Druck machen.“

Fotos: Global2000

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