Nachrichten | 7.4.2006

Koexistenz klappt nicht

Gen-Mais in Spanien bedroht die Existenz vieler Bauern

Der großflächige Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Spanien verunreinigt die Ernte vieler Bauern nachhaltig und bedroht deren Existenz. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Greenpeace im Vorfeld der EU-Gentechnik-Konferenz "Freedom of Choice" in Wien vorstellte.

Spanien ist derzeit das einzige EU-Mitgliedsland, in dem gentechnisch veränderter Mais in großem Maßstab, auf ungefähr 60.000 Hektar, anpflanzt wird. Zusammen mit dem katalanischen Bauernverband Assemblea Pagesa de Catalunya untersuchte Greenpeace im Zeitraum von Juli 2005 bis Februar 2006 in den autonomen Regionen Katalonien und Aragonien die Folgen des Anbaus. Dort liegt er Gen-Maisanteil inzwischen bei 40 bis 50 Prozent. Die Autoren der Studie führten dutzende Interviews mit betroffenen Bauern, Genossenschaftsleitern, Behörden und Experten und ließen zahlreiche Proben von Maispflanzen untersuchen. Dabei zeigte sich nach Ansicht von Greenpeace, dass von Seiten der spanischen Regierung noch keine geeigneten Maßnahmen zur Trennung und Kontrolle gentechnikhaltiger und gentechnikfreier Produkte getroffen wurden.

In sieben von 40 Proben von Maispflanzen konventionell und biologisch wirtschaftenden Bauern fanden die Labore gentechnische Verunreinigungen. Der Prozentsatz der Kontamination bewegte sich zwischen 0,1 und 12,6 Prozent. Der Höchstwert betraf einen Bio-Bauern, der Mais für eine biologische Hühnerzuchtfarm angebaut hatte. Die Studie zitiert ihn mit den Worten: „Trotz des enormen finanziellen Verlustes, der damit einhergeht, weigere ich mich, diesen Mais als konventionell zu vermarkten, weil ich auf keinen Fall möchte, dass dieses kontaminierte Material sich weiter in der Umwelt ausbreitet.“ Die spanische Bio-Kontrollstelle CAAE hatte im gleichen Zeitraum wie Greenpeace die Felder und Getreidespeicher von Bio-Bauern auf gentechnische Kontaminierung testen lassen. Sie fand in der Hälfte der Proben Verunreinigungen von 0,03 bis 1,9 Prozent. Die betroffenen Erzeugnisse mussten von der Vermarktung als Bio-Produkte ausgeschlossen werden. In drei Fällen wurden langjährig kultivierte, regionale Maissorten so sehr mit Gentechnik verunreinigt, dass sie mittlerweile nicht mehr zum Anbau verwendet werden können. Die Untersuchung berichtet auch über fehlende Sicherheitsvorkehrungen bei den rund 300 Freisetzungsversuchen, die bisher in Spanien stattfanden.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, „Die Kontrolle und Überwachung der GVO vom Labor bis zum Teller ist nicht effizient genug und in vielen Fällen nicht existent. Das System der Trennung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung funktioniert nicht. Es gibt keine unabhängigen Stellen zur Untersuchung von gentechnischen Verunreinigungen, illegalem kommerziellen und experimentellen Anbau, behördlichen Unregelmäßigkeiten sowie negativen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen. Die wirtschaftlichen Kosten der Verunreinigungen und anderer mit GVO in Zusammenhang stehender Probleme sind hoch und müssen von den Betroffenen selbst aufgebracht werden.“

Geert Ritsema, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace International, bezeichnete die Untersuchung als Warnung für die EU-Kommission. Sie müsse den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in weiteren EU-Ländern verhindern. "Das spanische Experiment zeigt klar, dass die erhoffte Koexistenz zwischen Natur und Gentechnik ein katastrophaler Reinfall ist."

Der vollständige Report

Die Kurzfassung

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