Nachrichten | 24.4.2006

EU gibt zu: Genfood ist riskant

Dokumente belegen Bedenken der EU-Kommission / Kritiker sprechen von Doppelzüngigkeit

In Unterlagen für die Welthandelsorganisation WTO hat die EU-Kommission ausführlich ihre Sicherheitsbedenken gegen genmanipulierte Pflanzen begründet. Sie kann Risiken nicht ausschließen und hält die Unterlagen der Gentechnik-Konzerne für lückenhaft. Dennoch hat die Kommission den Gen-Mais MON 810 für den Anbau freigegeben. Umweltorganisationen warfen der Kommission deshalb ein Doppelspiel vor und forderten einen Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel

Die Umweltorganisation Friends of the Earth (FOE) hat die EU-Kommission zur Herausgabe von Dokumenten gezwungen, die der EU als Grundlage für die wissenschaftliche Argumentation im Gentechnikstreit mit der WTO- dienten. Diese Unterlagen zeigen nach Ansicht von FOE, Global 2000 und Greenpeace ein Bild, geprägt von Unsicherheiten und mangelnden Daten. Die drei Umweltorganisationen haben die EU-Dokumente ausgewertet und kamen zu folgendem Ergebnis:

  • Es gibt wesentliche wissenschaftliche Bedenken über die Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen und Lebensmittel
  • Neue und komplexe Risiken tauchen dabei auf Risiken für Mensch und Tier können nicht ausgeschlossen werden
  • Es gibt schwere Bedenken über mögliche Umweltauswirkungen durch Gentech-Anbau. Die Umweltrisiken durch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) variieren mit der jeweiligen (Anbau-)region und deren Umwelt
  • Die Qualität der Daten, die seitens der Antragsteller-Firmen zur Marktzulassung zur Verfügung gestellt worden sind, ist oft unzureichend
  • Die Kommission äußerte erhebliche Vorbehalte gegenüber der Risikoabschätzung seitens der Europäischen Lebensmittelsicherheitsagentur EFSA, die ja im Rahmen des Zulassungsprozesses für eine unabhängige Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmittel sorgen soll.

Diese Unterlagen der EU-Kommission stammen vom Januar 2005. Während die Kommission gegenüber der WTO ihre Bedenken anmeldete erlaubte sie die Einfuhr zahlreicher genmanipulierter Pflanzen und ließ rund 30 Sorten des Gen-Maises MON 810 für den Anbau zu. In allen Fällen versicherten EU-Offizielle, die Pflanzen und daraus gewonnene Lebensmittel seien absolut sicher. Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace, nannte dieses Vorgehen einen Skandal.

Die Umweltorganisationen forderten die EU-Kommission auf, Konsequenzen aus den Unterlagen zu ziehen und die Zulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel sofort zu stoppen. Außerdem solle sie den Handel mit gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermittel und den kommerziellen Gentechnik-Anbau sofort aussetzen. Die Kommission müsse ihren Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen grundlegend ändern und in Zukunft das Vorsorgeprinzip anwenden.

Greenpeace und der Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND forderten Landwirtschaftsminister Horst Seehofer auf, sofort den auf 1700 Hektar geplanten Anbau von Gen-Mais in Deutschland zu verbieten. „Nach EU-Recht können die Regierungen der EU-Mitgliedsländer nationale Maßnahmen gegen Einfuhr und Anbau von Gen-Saaten verhängen, wenn neue Erkenntnisse über eine mögliche Gefährdung von Mensch und Umwelt vorliegen", argumentierte Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin des BUND. Dies sei nun der Fall. „Deshalb fordern wir Horst Seehofer auf, von dieser Schutzklausel sofort Gebrauch zu machen."

Die Analyse der Umweltverbände:

"Hidden Uncertainties - What the European Commission doesn't want us to know about the risks of GMOs".

Zum vollständigen Bericht derEU-Kommission:

"European Communities - Measures Affecting the Approval and Marketing of Biotech Products".

powered by