Nachrichten | 2.5.2006

Gen-Gerste freigesetzt

Uni Gießen will Auswirkungen auf Bodenpilze erforschen

Die Universität Gießen hat zum ersten mal in Deutschland gentechnisch manipulierte Gerste im Freiland ausgesät. Der Freisetzungsversuch dient nach Angaben der Universität der Sicherheitsforschung und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Kritiker sehen keinen Bedarf für manipulierte Brauerei-Gerste.

Auf einer Versuchsfläche von zwölf Quadratmetern können Wissenschaftler des Instituts für Phytopathologie und Zoologie der Justus-Liebig-Universität Gießen bis 2008 jedes Jahr 5.000 genmanipulierte Gerstenpflanzen freisetzen. Dies hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) genehmigt. Ausgesät werden zwei Gersten-Sorten. Die eine enthält das Gen eines Bodenbakteriums für die Herstellung eines chitin-abbauenden Enzyms. Chitin ist Bestandteil von Pilzen, welche die Gerstenpflanze befallen können. Die Gerste soll dementsprechend widerstandsfähiger gegen Pilzbefall sein. Die zweite Sorte ist so manipuliert, dass sie das Enzym Beta-Glucanase erzeugt. Dieses Enzym baut Kohlenhydrate ab. Es soll die Brauerei-Eigenschaften der Gerste verbessern und sie zudem als Futtermittel für Hühner tauglich machen. Die Tiere können normale Gerste nur schwer verdauen. Der Versuch soll nach Angaben der Universität klären, ob sich die gentechnisch veränderten Pflanzen negativ auf die für die Pflanzen wichtigen Bodenpilze, die Mykorrhiza, auswirken.

Das BVL hat in seiner Genehmigung die Einwendungen von 75 Bürgern zurückgewiesen. Von dem Versuch seien keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tieren und die Umwelt zu erwarten, sofern die Sicherheitsbestimmungen eingehalten würden. Dazu gehören ein engmaschiger Wildschutzzaun, Vogelnetze und Vorschriften zur Lagerung des Getreides sowie Sicherheitsabstände und zahlreiche Kontrollen. Ob die zu testende Gen-Gerste überhaupt notwendig und auf dem Markt gewollt ist, wurde vom BVL nicht überprüft. Genau dies kritisiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der hessischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen: „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Deutschen, die größten Wert auf die Reinheit ihres Bieres legen, sich eine gentechnisch veränderte Braugerste unterjubeln lassen. Deshalb kann man der Uni Giessen nur empfehlen, ihre Kapazitäten in sinnvollere Projekte zur Verbesserung der Pflanzengesundheit und des Umweltschutzes zu stecken.“ Entwickelt und hergestellt hat die zwei Gen-Gerstensorten die Washington State University. Ob sie bereits patentrechtlich geschützt sind und wer von dieser staatlich geförderten Sicherheitsforschung profitiert, ist nicht bekannt.

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