Nachrichten | 8.5.2006

Indien: Tödliche Gen-Baumwolle

1.600 Schafe starben nach dem Grasen im Baumwoll-Feld

Indische Wissenschaftler untersuchten im Auftrag eines Schäferei-Verbandes die zunehmende Zahl von Todesfällen bei Schafen und Ziegen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Ihr Ergebnis: Die Tiere starben, weil sie auf abgeernteten Baumwollfeldern gegrast hatten, auf denen zuvor Bt-Baumwolle wuchs.

Im Februar und März lassen die Schafhirten im Warangal District im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh ihre Tiere meist auf abgeernteten Feldern grasen. Mehrere Schäfer meldeten den Behörden zahlreiche Todesfälle in ihren Herden, nachdem die Tiere auf Feldern mit genmanipulierter Bt-Baumwolle gegrast hatten. Wie bei ähnlichen Meldungen ein Jahr zuvor, reagierten die Behörden nicht. Daraufhin trug ein Team von Wissenschaftler von zwei unabhängigen Organisationen im Auftrag des Schäferei-Verbandes die Fakten zusammen.

Ihr Report beruht auf den Recherche-Ergebnissen in mehreren Dörfern. In den meisten Fällen hatten die Bauern dort zum ersten mal BT-Baumwolle angebaut. Die Todesfälle in den Herden traten innerhalb einer Woche nach dem Grasen auf den abgeernteten Baumwollfeldern auf. Die Symptome trafen auf keine der herkömmlichen Tierkrankheiten zu. Die Tiere litten zuerst an Husten und Geschwüren im Mund, bekamen dann Durchfall und starben innerhalb einer Woche. Betroffen waren vor allem junge Tiere. Die Todesrate in den Herden lag bei etwa 25 Prozent. Die Obduktionen mehrerer Tiere ergab schwere Schädigungen der Verdauungsorgane, die von den amtlichen Tierärzten auf Vergiftung zurückgeführt wurden. Die berichteten von ähnlichen Vorfällen im vergangenen Jahr und empfahlen den Schäfern, ihre Tiere nicht auf Bt-Baumwollfeldern grasen zu lassen. Der Report erwähnt auch den Fall eines Schäfers, der bereits im letzten Jahr Todesfälle in seiner Herde hatte und in diesem Jahr darauf achtete, dass die Tiere keine Bt-Baumwollfelder betraten. Sie blieben gesund.

Dies deutet nach Ansicht der Wissenschaftler darauf hin, dass tatsächlich die Aufnahme der Bt-Baumwollblätter durch die Tiere Ursache der Todesfälle sei. Dass die Blätter das Bt-Toxin enthalten können, hätten Analysen mehrerer Labors bereits gezeigt. In Indien habe es vor der Zulassung der Bt-Baumwolle keine Versuche gegeben, bei denen der Verzehr der Bt-Blätter durch Schafe und Ziegen untersucht wurden sei. Als Konsequenz forderten die Wissenschaftler entsprechende Forschungsarbeiten und ein Moratorium für den Anbau von Genpflanzen.

Der komplette Bericht (in englisch) ist bei GMwatch.org veröffentlicht

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