Nachrichten | 8.5.2006

Kampf gegen Gen-Kartoffeln

Erfolg gegen unerwünschte Knollen in Deutschland / Konzerne weiterhin optimistisch

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat einen für dieses Frühjahr geplanten Freisetzungsversuch der TU München mit gentechnisch manipulierten Kartoffeln gestoppt. Anlass dafür waren Recherchen des Umweltinstituts München, das zahlreiche falsche Angaben in der amtlichen Bekanntmachung beanstandet hatte. Doch für eine andere Sorte Gen-Kartoffeln rechnet der BASF-Konzern mit einer Zulassung durch die EU noch in diesem Jahr.

Das Umweltinstitut wertete den Genehmigungsstopp als Etappensieg, weil damit die Aussaat der Kartoffeln für dieses Jahr verhindert worden sei. Die Gentechnik-Kritiker rechnen damit, dass bei der erneuten Auslegung der Unterlagen ab Mitte Mai noch mehr Einwendungen erhoben werden. Beim ersten Auslegen der Unterlagen waren es 4.000: „Wie will man die unkalkulierbaren Risiken durch genmanipulierte Pflanzen ausschalten, wenn schon bei Formalia so geschludert wird", kritisiert Andreas Bauer, Gentechnik-Experte des Umweltinstituts die antragstellende TU München und die Genehmigungsbehörde. Auch gegen Pläne der Uni Rostock, Gen-Kartoffeln mit dem Erbgut des Cholera-Erregers freizusetzen, hatte das Umweltinstitut mobilisiert. Es übergab dem BVL rund 2000 Einwendungen gegen diesen Versuch und hofft nun auf ein ähnlich positives Ergebnis.

Weniger Erfolg hatte die Initiative GMfree Ireland. Die irische Umweltbehörde genehmigte trotz massiver Proteste einen fünfjährigen Freisetzungsversuch der BASF Plant Science. Das Biotechnologieunternehmen des Chemie-Konzerns will mehrere Kartoffelsorten testen, die gentechnisch gegen Kartoffelfäule resistent gemacht wurde. Die mit der Freisetzung verbundenen Risiken sind nach Ansicht von Gmfree Ireland unsinnig, da es bereits zwei herkömmliche resistente Züchtungen gibt.

Gen-Knollen für die Industrie

Schon seit längerem testet die BASF Kartoffeln, deren Stärkegehalt gentechnisch manipuliert wurde. Die Stärke soll als Verdickungsmittel bei der Papier- oder Textilherstellung einegsetzt werden. Das Unternehmen erwartet die EU-Zulassung für seine Stärkekartoffel Amflora noch in diesem Jahr und bereitet nach Informatioenen des Magazins Agrimanager die Markteinführung in Deutschland vor. Mit einigen Landwirten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat das Unternehmen demnach einen qualitätssichernden Anbau gestartet. Dabei sollen die Landwirte mit einer konventionellen rotschaligen Stärkekartoffel üben, wie eine Vermischung von GV-Kartoffeln mit konventioneller Ware im Betrieb vermieden werden kann und worauf bei Aussaat, Ernte und Lagerung zu achten ist. Der Anbauumfang sei aber noch gering, erläuterte ein Unternehmenssprecher gegenüber Agrimanager. Das Interesse seitens der Landwirte sei aber groß. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen bereits in Tschechien gute Erfahrungen gemacht.

Russland lässt Gen-Kartoffel zu

Die russischen Behörden haben eine Gen-Kartoffelsorte für dem menschlichen Verzehr zugelassen, meldete die russische Initiative CIS Alliance for Biosafety. Dabei handelt es sich um eine von russischen Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit Monsanto entwickelte Sorte namens Elizabeth. Sie basiert auf einer in Russland üblichen Sorte, in die das Bt-Gen von Monsanto eingebaut wurde. Es sorgt dafür, dass die Pflanze das für bestimmte Insekten tödliche Bt-Toxin produziert. Nach Angaben von CIS hat das amtliche russische Institut für Ernährung eine positive Sicherheitsbewertung verfasst. „Dieses Institut ist bekannt für seine undurchsichtige Politik und die Verletzung demokratischer Verfahren.“ CIS befürchtet, dass mit der Zulassung als Nahrungsmittel der Druck steige, auch den Anbau freizugeben. Bisher lehnt Russland den Anbau von Gen-Pflanzen offiziell ab. „Doch was auf den Feldern tatsächlich wächst, kontrolliert niemand“, kommentiert Victoria Kopeykina, Geschäftsführein von CIS. Sie befürchtet die „brasilianische Variante“, einen zunehmenden illegalen Anbau eingeschmuggelten Gen-Saatguts.

powered by