Nachrichten | 15.5.2006

Anbau von Gen-Raps droht

Naturschutzbund fordert von Seehofer Verbot des Versuchsanbaus

Der Verein FINAB - ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Gentechnik-Firmen - will in Mecklenburg-Vorpommern vier Sorten Gen-Raps anbauen. Umweltschützer warnen vor einer Genehmigung der Freisetzung. Denn Gen-Raps kreuzt besonders weit und schnell in gentechnikfreie Bestände aus.

Das Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entscheidet in den kommenden Wochen über einen Antrag, genmanipulierten Raps freizusetzen. Der Verein FINAB will auf dem Versuchsgut Groß Lüsewitz der Universität Rostock auf einem 10 Hektar großen Versuchsgelände vier verschiedenen Sorten Sommerraps anbauen. Sie wurden so manipuliert, dass sie bestimmte Inhaltstoffe verstärkt anreichern oder weniger davon produzieren. Zudem enthalten sie Resistenzen gegen Antibiotika und den Pestizidwirkstoff Glufosinat.

Das BVL muss über zahlreiche Einwendungen entscheiden, die zu diesem Antrag eingegangen sind. Eine besonders detaillierte stammt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Als Fazit der gesammelten Einwände fordert NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Bundesverbraucherschutzminister Seehofer muss dem geplanten Anbau von Gen-Raps auch zu Versuchszwecken einen Riegel vorschieben.“. Die Freisetzung von genmanipuliertem Raps hätte unabsehbare Folgen für die Umwelt, da dieser nicht beherrschbar sei. Einmal ausgesät verbreite er sich schnell, kreuze sich mit Wildpflanzen und könne nicht mehr kontrolliert werden. Minister Seehofer habe den Umweltverbänden erst kürzlich in einem Gespräch zugesichert, dass eben aus diesen Gründen kein Anbau von genmanipuliertem Raps in Deutschland geplant sei. Dennoch werde das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern zu 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln gefördert. „Es stellt sich die Frage, warum mit öffentlichen Geldern unnötige Versuche zur Koexistenz von nicht koexistenzfähigem Raps finanziert werden“, wundert sich Tschimpke.

Das Raps-Pollen besonderst leicht sind, werden sie mit dem Wind bis zu 100 Kilometer übers Land getragen. Bienen sammeln gerne Rapsnektar und verbreiten dabei den Pollen ebenfalls über mehrere Kilometer. Zudem kann der Raps in verwandte Nutz und Wildpflanzen auskreuzen. Die Erfahrungen von zehn Jahren Gen-Raps-Anbau in Kanada haben gezeigt, dass eine Koexistenz nicht möglich ist. Aus diesem Grund hat Österreich die vom der EU erlaubte Einfuhr der Gen-Rapssorte GT 73 als Futter- und Lebensmittel untersagt. Die Gefahr, dass die Rapssamen sich versehentlich in der Natur ausbreiten, war den österreichischen Behörden zu groß.

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