Nachrichten | 18.5.2006

Gentechnik-Saatgut zurückgerufen

Vor Gen-Ergebnis ausgeliefert

Die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft (ZG) Karlsruhe hat zwei Partien Mais-Saatgut zurückgerufen, die vorschnell ausgeliefert worden waren. Die eine Partie war gentechnisch verunreinigt, ergab die anschließende Überprüfung. Davon ausgesät war noch nichts.

Die Menge, die bei den Bauern angekommen ist, hätte ausgereicht, um 735 Hektar Maisfläche unbrauchbar zu machen. Das passierte ausgerechnet der ZG in Karlsruhe. Die badische Zentralgenossenschaft garantiert den Bauern nämlich gentechnikfreies Saatgut und kontrolliert es auch.

Pro Lot oder Partie - das sind 1.500 Säcke - wird eine Stichprobe durchgeführt. Ist sie negativ, geht der Mais an die Lagerhäuser und die Bauern. In diesem Fall wurden zwei Partien vorschnell ausgeliefert, ohne die Ergebnisse der Proben abzuwarten - aus Versehen, sagt die ZG. Bei der kleineren Partie gab es nach der erneuten Überprüfung Entwarnung: Der Mais des weltgrößten Gentechnikkonzerns Monsanto war gentechnikfrei. Die größere Partie Saatgut geht nun zurück an den Lieferanten.

ZG größter Mais-Saatguterzeuger Deutschlands

In Bayern hatten im vergangenen Jahr 22 Bauern unwissentlich gentechnisch verunreinigten Mais ausgesät. Als es bekannt wurde, mussten sie ihn unterpflügen. Es war Mais der Firma Pioneer, dem zweitgrößten Saatguthändler der Welt. Auch in Karlsruhe war Mais von Pioneer betroffen.

Das zurückgerufene Saatgut stammt von amerikanischen Lieferanten, wo das Risiko für Verunreinigungen am größten ist. Bislang ist die ZG der Auffassung, dass sie nicht auf die Sorten der Weltmarktführer verzichten könne. Nur die frühen Sorten der Genossenschaft sind hundertprozentig sicher, weil sie diese auf 2.000 Hektar selbst erzeugt. Die ZG ist neben einem weiteren Unternehmen der größte Mais-Saatguterzeuger Deutschlands. Noch kein Grenzwert für Saatgut-Verunreinigung

Hätten die Bauern das verunreinigte Mais-Saatgut ausgesät, wäre die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft haftbar geworden. Die Lieferanten wiederum haften gegenüber der ZG. Im Zweifel jedoch könnte das schwierig werden, denn noch immer gibt es keinen Grenzwert der besagt, ab wann Saatgut verunreinigt ist. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will nun Druck bei der EU-Kommission machen, dass dies endlich entschieden wird.

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