Nachrichten | 22.5.2006

Aufruf zum Ausrupfen

Aktivisten wollen Versuchsfelder in Bayern und Hessen befreien

Die Aktion Gendreck weg hat angekündigt, am Pfingstmontag ein Versuchsfeld mit Gen-Mais in Poing bei München zu zerstören. Im hessischen Gießen will eine Initiative dem kürzlich genehmigten ersten Anbauversuch von Gen-Gerste einen Besuch abstatten. Nach Ansicht der Aktivisten stellt der Gentech-Anbau eine derartige Bedrohung dar, dass auch Feldbefreiungen legitim seien.

Das erste Aktionswochenende der Initiative Gendreck weg findet über Pfingsten (2. bis 5. Juni) im oberbayrischen Poing bei München statt. Dort baut eine staatlich finanzierte Lehr- und Forschungsanstalt insektenresistentem Bt-Mais an. In der Region haben nach Angaben der initiative schon etliche Menschen ihre Unterstützung zugesagt. Aus würden aus ganz Deutschland und aus Frankreich Gentechnik-Gegner anreisen. Sie wollen sich in einem Camp zu Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Kultur treffen und am Pfingstmontag zur angekündigten Tat schreiten.

Die Aktion Gendreck weg wurde vergangenes Jahr von Bauern und Imkern ins Leben gerufen. Sie sieht sich in der Tradition zivilen Ungehorsams und geht gewaltfrei gegen Agro-Gentechnik vor. Mit einer angekündigten Feldbefreiung in Brandenburg löste die Aktion im Sommer 2005 einen Polizeigroßeinsatz und ein entsprechendes Medienecho aus. "Wie unsere Nachbarländer Polen, Österreich und Schweiz, die Freisetzungen verboten haben, sehen auch wir in den genmanipulierten Organismen eine große Gefahr für die gentechnikfreie Landwirtschaft, die biologische Vielfalt und unsere Gesundheit", argumentiert der Tübinger Berufsimker Micha Grolm. "Wir wollen nicht zusehen, dass unumkehrbare Fehler gemacht werden und fordern unsere Abgeordneten auf, den Willen der Bevölkerung zu respektieren".

Für die erste Aktion in diesem Jahr habe man bewusst Bayern ausgewählt. Während großen Aussaatflächen samt und sonders in Ostdeutschland zu finden seien, würden in Westdeutschland ausschließlich Versuchsflächen angemeldet. "Das ist eine Strategie der Gentech-Industrie", kritisiert Jutta Sundermann von der Aktion Gendreck weg. "In den neuen Bundesländern wird weniger Widerstand erwartet, weil da schon sehr viele andere Probleme drücken. In den alten Bundesländern setzen die Verantwortlichen darauf, durch die Hintertür zu kommen. Und die heißt: Versuchsanbau, meist finanziert durch die Steuerzahler." Ende Juli plant die Aktion ein in zweites Aktionswochenende in Brandenburg.

Ebenfalls an Pfingsten haben Gentechnik-Gegner in Gießen angekündigt, das dortige Versuchsfeld der Universität Gießen zu befreien. Die Uni hat dort zum ersten mal in Deutschland genmanipulierte Gerste ausgebracht. In der Ankündigung zur Aktion heißt es: „Veränderte Gene sind aus der Natur nicht mehr rückholbar, die Risiken werden bereits geschaffen, während sie untersucht werden. Konkret betroffen sind alle Menschen, besonders aber LandwirtInnen, GartenbesitzerInnen und alle, die selbst mit dem Boden, Pflanzen und Tieren umgehen. Eine solche Technologie dient nicht den Menschen, sondern vor allem Konzernen, die damit Profite machen wollen. Da auch die Gesetze Eigentum und Profit über die Menschen stellen und gleichberechtigte Beteiligungsmöglichkeiten nicht vorgesehen sind, haben wir uns entschlossen, soziale Notwehr zu leisten und mit einem not-wendigen Akt zivilen Ungehorsams das Feld zu besuchen und den Versuch zu beenden.“

powered by