Nachrichten | 22.5.2006

CSU-Generalsekretär lehnt Freisetzungsversuche ab

Protest zeigt Wirkung / Bio-Märkte sammeln 111.000 Unterschriften gegen Genfood

In nur zwei Monaten sammelte der Verband der Bio-Supermärkte in den über 200 Läden seiner Mitglieder 111.401 Unterschriften gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln. Der gesammelte Protest soll im Sommer Landwirtschaftsminister Horst Seehofer überreicht werden. Seehofer ist auch Vize-Vorsitzender der bayerischen CSU. Deren Generalsekretär Markus Söder sprach sich öffentlich gegen Freisetzungsversuche aus und lobte den Minister für seine nachdenkliche Haltung gegenüber der Gentechnik.

In ihrer Mitteilung über das Sammelergebnis machten die Bio-Supermärkte noch einmal deutlich, warum knapp 80 Prozent der Menschen Gentechnik auf Äckern und in Lebensmitteln ablehnen: „Bisher ist nicht geklärt, wie sich der Verzehr von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf die menschliche Gesundheit auswirkt und welche Folgen die Freisetzung von GVO auf die Umwelt haben können.“ Aufgegriffen hat solche Bedenken jetzt CSU-Generalsekretär Markus Söder. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte er: „Viele sind der grünen Gentechnik gegenüber sehr skeptisch. Natürlich müssen wir die Forschung in diesem Bereich weiter vorantreiben. Aber Freilandversuche sind ein Problem, solange nicht absehbar ist, wie diese langfristig das Ökosystem beeinflussen.“ Zur geplanten Novelle des Gentechnikgesetzes äußerte sich der Generalsekretär so: „Eine Novelle brauchen wir, aber sie muss sensibel mit den Erwartungen der Verbraucher umgehen - aus dem Schöpfungsgedanken heraus, aber auch aus Sicherheitsgründen. Wir müssen Ja sagen zu Forschungsmöglichkeiten und Nein zur ausschließlichen Kommerzialisierung. Horst Seehofer ist hier auf dem richtigen Weg. Entscheidend ist die Frage der Haftungsregelung, die nicht die Falschen - also vor allem die Landwirte - treffen darf.“

Die Berliner Zeitung vermutet hinter Söders Vorstoß strategische Überlegungen: Angesichts der letzten Wahlergebnisse wachse in der CSU die Sorge, sie könnte künftig verstärkt Wähler an die Grünen verlieren. Tatsächlich lehnen weite Teile der CSU-Stammwähler auf dem Land die Gentechnik ab. Der bayerische Bauernverband sprach sich erst kürzlich sehr deutlich gegen den Anbau von Gen-Pflanzen aus. Allerdings gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass Söders Meinungsäußerung auch praktische Folgen hat. Im bayerischen Landtag lehnte die CSU eine Petition von 15.000 Bürgern ab, die gentechnikfreie Landwirtschaft als Ziel in den Landesentwicklungsplan aufzunehmen. Und keine der staatlichen Versuchsanstalten hat bisher erklärt, dass sie auf ihre Freisetzungsversuche verzichtet. Immer noch ist der Freistaat selbst der größte Gentechnik-Bauer in Bayern.

powered by