Nachrichten | 22.5.2006

Anbau von Gen-Raps genehmigt

Naturschutzbund fordert von Seehofer Verbot des Versuchsanbaus

Der Verein FINAB - ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Gentechnik-Firmen – darf in Mecklenburg-Vorpommern vier Sorten Gen-Raps anbauen. Umweltschützer warnen vor der vom Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) genehmigten Freisetzung. Denn Gen-Raps kreuzt besonders weit und schnell in gentechnikfreie Bestände aus.

Das BVL hat am 10. Mai grünes Licht für die Pläne der FINAB gegeben. Der Verein will auf dem Versuchsgut Groß Lüsewitz der Universität Rostock auf einem 10 Hektar großen Versuchsgelände vier verschiedenen Sorten Sommerraps anbauen. Die 48.000 Pflanzen wurden so manipuliert, dass sie bestimmte Inhaltstoffe verstärkt anreichern oder weniger davon produzieren. Zudem enthalten sie Resistenzen gegen Antibiotika und den Pestizidwirkstoff Glufosinat.

Mit seiner Genehmigung hat das BVL die zahlreiche Einwendungen vom Tisch gewischt, die zu diesem Antrag eingegangen sind. Eine besonders detaillierte stammte vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). "Die vom BVL auferlegten Sicherheitsanforderungen sind nicht ausreichend", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. "Die Freisetzung von Gen-Raps ist nicht beherrschbar, da Rapssaat mindestens 15 Jahre keimfähig bleibt und sich mit natürlichen Wild- und Kulturarten kreuzt", erklärte der NABU-Präsident. Agrarminister Horst Seehofer habe den Umweltverbänden erst kürzlich in einem Gespräch zugesichert, dass aus diesen Gründen kein Anbau von genmanipuliertem Raps in Deutschland geplant sei. Dennoch werde das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern zu 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln gefördert. Der NABU forderte Seehofer auf, die Förderung dieses Projektes mit öffentlichen Mitteln unverzüglich zu stoppen. "Der Anbau von Gen-Raps gefährdet die biologische Landwirtschaft und die Attraktivität von Mecklenburg-Vorpommern als naturbelassene

Tourismusregion."

Das Raps-Pollen besonderst leicht sind, werden sie mit dem Wind bis zu 100 Kilometer übers Land getragen. Bienen sammeln gerne Rapsnektar und verbreiten dabei den Pollen ebenfalls über mehrere Kilometer. Zudem kann der Raps in verwandte Nutz und Wildpflanzen auskreuzen. Die Erfahrungen von zehn Jahren Gen-Raps-Anbau in Kanada haben gezeigt, dass eine Koexistenz nicht möglich ist. Aus diesem Grund hat Österreich die vom der EU erlaubte Einfuhr der Gen-Rapssorte GT 73 als Futter- und Lebensmittel untersagt. Die Gefahr, dass die Rapssamen sich versehentlich in der Natur ausbreiten, war den österreichischen Behörden zu groß.

Die Einwendung des NABU gegen den Gen-Rapsanbau

Gen-Raps-Seite des Informationsdienstes Gentechnik

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