Nachrichten | 13.6.2006

Biogas aus Gen-Mais?

Gentechnik-Konzerne wollen bei nachwachsenden Rohstoffen Fuß fassen

Wissenschaftler und Umweltverbände befürchten, dass der zunehmende Anbau nachwachsender Rohstoffe für die Energieversorgung zu einem Einfallstor für gentechnisch veränderte Pflanzen werden könnte. Dies wurde auf einer Tagung des Bundesamtes für Naturschutz deutlich. Dort warnte Guido Nischwitz, Experte für Regionalentwicklung an der Universität Bremen, die Agro-Gentechnikindustrie versuche derzeit mit transgenen Energiepflanzen Fuß zu fassen. Dabei würde sie vor allem von den Landesregierungen in Rheinland-Pfalz, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.

Nachwachsende Rohstoffe genießen derzeit hohes Ansehen. Sie ersetzen fossile Brennstoffe und verringern so den Treibhauseffekt. Nach Angaben des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) bauten die deutschen Bauern 2005 auf etwa 1, 4 Millionen Hektar Energiepflanzen an, das entspricht etwa elf Prozent der deutschen Ackerfläche. Davon entfielen 800.000 Hektar auf Raps für Biodiesel und 67.000 Hektar auf Mais für Biogasanlagen. Etwa 15 Prozent der deutschen Maisernte werden laut BUND für die Erzeugung von Strom und Wärme verwandt. Nach Ansicht des Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner bietet die Gentechnik große Chancen, um mehr Energie auf dem Acker zu gewinnen.

Die Umweltorganisation befürchtet, dass Gentechnik-Konzerne vor allem den Mais-Anbau für Biogasanlagen als Hintertür für ihre Gen-Pflanzen nützen könnten. Denn Mais, vergoren zu Silage, hat von allen Energiepflanzen die mit Abstand höchste Hektarausbeute bei der Biogaserzeugung. Folgendes Szenario ist für den BUND denkbar: „Landwirte, die Biogasanlagen in industriellem Maßstab und allein nach betriebswirtschaftlichen Erwägungen betreiben, werden ihre Rohstoffe aus großen Maismonokulturen ohne Fruchtfolge beziehen und zudem auf pfluglose Bodenbearbeitung setzen, um Arbeitskräfte und Treibstoff zu sparen - beste Bedingungen, um einen starken Befall mit dem wichtigsten Maisschädling, dem Maiszünsler, herbeizuführen. Und dort, wo der Maiszünsler die Produktion von Biomasse schmälert, könnte die gentechnische Lösung des Problems, der Anbau von insektengiftigem Bt- Mais, ins Spiel kommen.“

Der Vorteil für Konzerne und Bauern. Der Gen-Mais gelangt nicht in die Nahrungskette und muss nicht gekennzeichnet werden. Womöglich könnte er sogar vom positiven Image der regenerativen Energien profitieren. Bei Raps hält der BUND einen Anbau von Gen-Raps für „ziemlich unwahrscheinlich“ Es gäbe keine Sortenzulassungen, zudem sei Gen-Raps erwiesenermaßen nicht koexistenzfähig. Wenig gibt der Verband auf Ankündigungen der Gentechnik-Konzerne, spezielle besonders ergiebige Biomasse-Sorten zu entwickeln. Hier sei die konventionelle Zucht erfolgreicher und schneller.

BUND-Papier „Nachwachsende Rohstoffe Einfallstor für die Gentechnik in der Landwirtschaft?“

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