Nachrichten | 26.6.2006

Schweiz als Vorbild

CSU-Generalsekretär fordert Moratorium beim Genpflanzen-Anbau

CSU-Generalsekretär Markus Söder hat im Berliner Tagesspiegel für einen Aufschub beim kommerziellen Anbau von Gen-Pflanzen plädiert. Als Vorbild nannte er dabei das von den Schweizern in einer Volksabstimmung beschlossene fünfjährige Moratorium. Ein solcher Aufschub solle genutzt werden, um „heute bestehende und berechtigte Vorbehalte durch solide und beständige Forschungsergebnisse abzubauen“, argumentierte Söder.

In seinem Beitrag mit dem Titel „Nicht die Natur dem Kommerz opfern“ erkennt der Politiker an, dass rund 80 Prozent der Menschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel sind. „Ohne breite Akzeptanz jedoch wird grüne Gentechnik nicht funktionieren.“ Söder schreibt auch: „Mit Designpflanzen aus dem Genlabor greifen wir in bisher nicht gekannter Weise in die Natur ein. Für die CSU jedoch ist der Mensch als Teil der Schöpfung dazu verpflichtet, diese zu bewahren und zu erhalten.“ Die Konsequenz für ihn ist eine Anwendung der grünen Gentechnik „mit Augenmaß“. Darunter versteht er eine Begrenzung der Freiland-Versuchsfelder auf den Umfang, der für die Forschung zwingend notwendig ist. Denn grundsätzlich will er weiterhin die Chancen der Genmanipulation nützen: „Pflanzen brauchen weniger Wasser, sie können zur energetischen Nutzung erzeugt und unempfindlicher gegen Schädlinge gemacht werden.“

Noch vor wenigen Wochen hatte Söder im Interview mit der Berliner Zeitung ein Ende der Freisetzungen gefordert: „Freilandversuche sind ein Problem, solange nicht absehbar ist, wie diese langfristig das Öko-System beeinflussen." Wie ernst gemeint solche Debattenbeiträge sind, ist offen. Derzeit versucht CSU-Parteivize und Landwirtschaftsminister Seehofer, das Gentechnikgesetz zu ändern, um den kommerziellen Anbau von Gen-Pflanzen zu erleichtern. In Bayern, wo die CSU mit Zwei-Drittel-Mehrheit regiert, wird auf zahlreichen staatlichen Gütern Gen-Mais angebaut. Im Landtag hat die CSU eine Petition Tausender Bürger abgelehnt, ein gentechnikfreies Bayern als Ziel in den Landesentwicklungsplan aufzunehmen.

Der Beitrag von Markus Söder im O-Ton

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