Nachrichten | 3.7.2006

Fisch im Eis

Unilever will gentechnisch hergestelltes Protein ins Eis mischen

Der Nahrungsmittelkonzern Unilever möchte bei der Herstellung von Eiskrem und ähnlichen Produkten ein Protein aus Tiefseefischen verwenden. Den Eiweißbaustein will der Konzern mit Hilfe von gentechnisch veränderten Hefen herstellen. Er bewirkt, dass sich die Eiskristalle bei geringeren Temperaturen bilden und dadurch dem Eis weniger Fett zugesetzt werden muss. In Deutschland gehört die Eis-Marke Langnese zu Unilever.

Unilever hat die Zulassung dieses Proteins als „neuartiges Lebensmittel“ nach EU-Recht in Großbritannien beantragt. Die britische Verbraucherschutzbehörde Food Standards Agency hat die Unterlagen veröffentlicht und um fachliche Kommentare gebeten. Derzeit begutachtet eine Expertenausschuss der Behörde die Unterlagen. Nach Angaben von Unilever ist der Herstellungsprozess in den Vereinigten Staaten bereits genehmigt. Der Konzern will damit Eiskrem produzieren, die nur halb so viel Fett und dreißig Prozent weniger Kalorien hat als bisher.

Das von Unilever verwendete Protein stammt von einem Aal-ähnliche Tiefseefisch aus dem Nordatlantik. Er hat in seinem Blut ein so genanntes Gefrierschutzprotein und kann mit dessen Hilfe sehr niedrige Temperaturen überleben. Unilever argumentiert damit, dass die Isolation des Proteins aus dem Fischblut oder der chemische Nachbau zu aufwändig und wirtschaftlich nicht rentabel wären. Deshalb hat der Konzern das für die Bildung des Proteins verantwortliche Fisch-Gen in eine Bäckerhefe eingebaut. Die manipulierte Hefe soll nun im Fermenter das Protein erzeugen. Unilever versichert, dass im Endprodukt keine genmanipulierte Hefe vorhanden sei. Das Protein selbst habe im Eis nur einen Gewichtsanteil von 0,01 Prozent. Der Nachrichtendienst GMwatch weist darauf hin, dass bei der Herstellung möglicherweise giftige oder allergieauslösenden Nebenprodukte entstehen können, die mit dem Protein ins Eis gelangen.

Zu den Antragsunterlagen von Unilever

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