Nachrichten | 3.7.2006

Gen-Mais macht sich breit

Größere Sicherheitsabstände notwendig / Verbreitung über Maschinen nicht beachtet

Gen-Mais verunreinigt benachbarte Felder über größere Distanzen hinweg als bisher behauptet. Außerdem kontaminiert er Honig stärker als gedacht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das bayerische Landwirtschaftsministerium vorstellte. Aufgrund der vielen ungeklärten Fragen rät Minister Josef Miller den Bauern vom Anbau genmanipulierter Pflanzen ab.

Die vom bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller vorgestellte Studie war Teil des so genannten Erprobungsanbaus 2005, an dem sich auch vier bayerische Staatsgüter beteiligt hatten. Dabei ergab sich, dass die bisher von Gentechnikforschern für ausreichend gehaltenen 20 Meter Sicherheitsabstand beim Maisanbau bei weitem nicht genügen. Miller trat dafür ein, die auch von Bundesminister Horst Seehofer angekündigten 150 Meter Sicherheitsabstand als Diskussionsgrundlage zu nehmen.

Als weiteres Problem erwies sich in der Studie die Kontamination von Honig. 35 von 36 Honigproben aus der Umgebung des Versuchsfeldes waren kontaminiert. Zwei Pollenproben hätten sogar die Kennzeichnungsschwelle überschritten und seien zu 5 Prozent mit genverändertem Material belastet gewesen, schreibt das Umweltinstitut München in einer Mitteilung. Welche Auswirkungen der Gen-Mais auf die Bienen habe, sei weitgehend unklar. Dies sieht auch Walter Haefeker vom Vorstand des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes so: "Die wenigen Studien über die Gefährlichkeit von Gen-Pflanzen für Bienen zeigen, dass die Tiere geschädigt werden und die Zukunft der Imkerei somit bedroht ist. Die Aussagen der bayerischen Staatsregierung, eine Schädigung von Bienen sei wissenschaftlich widerlegt, sind eine Farce."

Gen-Mais im Mähdrescher

Völlig außen vor blieb beim staatlich geförderten Erprobungsanbau bisher, dass der Gen-Mais auch beim Ernten und beim Transport gentechnikfreien Mais verunreinigen kann. Denn Landwirte nutzen für Aussaat, Pflege und Ernte oft Spezialmaschinen, die Dienstleister wie Maschinenringe und Lohnunternehmer anbieten. In Deutschland werden nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) rund 80 bis 90 Prozent der Felder von gemeinsam genutzten Mähdreschern geerntet.

Darin liegt eine Quelle für eine gentechnische Kontamination der Ernten, wie ein eine Studie der AbL aufzeigt. Denn wenn die Maschine nach dem Einsatz auf einem Gen-Acker nicht gründlich gereinigt wird, verunreinigen Gen-Maisreste beim nächsten Einsatz des Mähdreschers gentechnikfreien Mais. Aufgrund dieser Gefahr kritisiert die AbL, dass beim neuen Gentechnikgesetz nur der Abstand zu konventionellen Feldern im Detail geregelt werden soll, während konkrete Vorgaben für die Maschinenreinigung fehlen. Solche Vorgaben wären nur mit hohen Kosten umzusetzen. Denn ein Mähdrescher mit seinen vielen Winkeln und Ecken ist auch mit viel Aufwand nicht komplett zu reinigen. „Die Kosten für eine angemessene Reinigung einer Erntemaschine übersteigen die bisherigen Erntekosten um das Zehnfache“, erklärt Mute Schimpf, Autorin der Studie. Müsste ein Gen-Bauer diese Kosten zahlen, wäre der Anbau für ihn wirtschaftlich uninteressant.

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