Nachrichten | 10.7.2006

Keine genmanipulierte Nahrungsmittelhilfe

Kirchliche Hilfswerke wollen kein Gen-Getreide verteilen

Die internationale Allianz protestantischer Kirchen und kirchlicher Hilfswerke (ACT) hat sich verpflichtet, bei der Nahrungsmittelhilfe auf genmanipuliertes Getreide weitgehend zu verzichten. Vor allem die USA bieten immer wieder Gen-Mais als Hilfslieferung bei Hungerkatastrophen an. Acht Richtlinien legen fest, wie sich die Hilfswerke, zum Beispiel Brot für die Welt, in solchen Fällen verhalten sollen.

Darin ist festgelegt, dass ACT-Mitglieder keinerlei gentechnisch veränderte Nahrungsmittel für ihre Hilfsaktionen einkaufen. Sie sollen statt dessen auf heimische Feldfrüchte der regionalen oder nationalen Märkte zurückgreifen. Stammt die Nahrungsmittelhilfe vom Welternährungsprogramm oder von Regierungen, so müssen die ACT-Organisationen vor der Verteilung klären, ob die Nahrungsmittel genetisch verändert sind oder nicht. Die Hilfswerke verpflichten sich, die „geltenden nationalen Gesetzen zur biologischen Sicherheit, vor allem im Blick auf die Verwendung von genetisch veränderten Organismen“, zu beachten. Mehrere afrikanische Staaten haben die Einfuhr genmanipulierter Nahrungsmittel als Hungerhilfe verboten. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, begründete die Richtlinien damit, dass die schlichte Akzeptanz solcher Nahrungsmittel langfristig Anbautechniken verändern, die Vielfalt lokaler Getreidearten zerstören und ungewollt genmanipuliertem Saatgut weltweit zum Durchbruch verhelfen könne.

Andererseits sind für die Hilfswerke auch Situationen vorstellbar, in denen die Verteilung von gespendeten, genmanipulierten Nahrungsmitteln unvermeidbar ist, um eine Hungerkatastrophe abzuwenden. In solchen Fällen sehen die Richtlinien vor, dass das genetisch verändertes Getreide nicht in ganzen Körnern verteilt werden darf. Es muss vor der Verteilung gemahlen werden. Außerdem müssen die Organisationen die Hilfeempfänger darüber informieren.

Das weitgehende Gen-Verbot gilt auch für landwirtschaftliche Projekte. Dort dürfen die Hilfsorganisationen nur einheimisches Saatgut und landwirtschaftliche Geräte einsetzen. Cornelia Füllkrug-Weitzel begründet dies mit der längerfristigen Ernährungssicherung. „Die genetische Veränderung von Getreide bedeutet in den meisten Fällen, dass es nicht mehr als Saatgut zu verwenden ist. Deshalb bleiben die Menschen abhängig von ausländischer Nahrungsmittelhilfe. Davon profitiert vor allem die weltweite Agro-Industrie.“

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