Nachrichten | 17.7.2006

Gentechnik statt Bio-Anbau

Die seltsame Politik von Mecklenburg-Vorpommern

"Mecklenburg-Vorpommern senkt die Ökoförderung drastisch und finanziert damit die Agro-Gentechnik", kommentiert Carola Ketelhodt, Geschäftsführerin des Bioland-Landesverbandes, das Ergebnis der Kleinen Anfrage der PDS im Schweriner Landtag.

Das Landwirtschaftsministerium hatte erklären müssen, wie es die Gentechnik im Land fördert: durch die pachtfreie Überlassung von 30 ha Ackerland, 2,7 Millionen Euro für das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz, die Überlassung von Gerätschaften im Wert von einer Million Euro und dem Landes-"Eigenanteil" von 25 Prozent an der Förderung aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung.

Im gleichen Zeitraum wurde die Umstellungsförderung auf den ökologischen Landbau für landwirtschaftliche Betriebe ausgesetzt. Begründung des Landes: Es habe nicht einmal genug Landesmittel, um den "Eigenanteil" von knapp 20 Prozent der Ökoförderung zu tragen, den der Europäische Fond - wie bei den Zuschüssen zur Gentechnik - verlange.

Auch zukünftig will die Landesregierung für neue und bestehende Biobetriebe die Förderung runterfahren. Vom Förderrahmen, der vom Bundeslandwirtschaftsministerium festgelegt wurde, will Mecklenburg-Vorpommern, als eines von wenigen Bundesländern, sogar nach unten abweichen und nur noch 85 Prozent der Förderung auszahlen.

"Wenn das Landwirtschaftsministerium immer wieder betont, wie gut der ökologische Landbau zu Mecklenburg-Vorpommern passe, dann steht das deutlich im Widerspruch zu seiner Förderpraxis", betont Carola Ketelhodt. "Wir fordern, dass das Landwirtschafts-ministerium die Unterstützung des ökologischen Landbaus im kommenden Förderzeitraum auf dem alten Niveau fortsetzt."

Bioland stellt fest: "Ohne Unterstützung sind Bio-Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern nicht wettbewerbsfähig. Die Produktion wird sich weiter ins Ausland verlagern. Osteuropäische Länder beispielsweise haben sich auf den attraktiven deutschen Bio-Markt eingestellt. Sie fördern und produzieren Bioprodukte im großen Stil. Und sie haben sich zur gentechnikfreien Zone erklärt, um mit diesem Qualitätsmerkmal ihren Marktanteil konsequent weiter auszubauen."

powered by