Nachrichten | 24.7.2006

Gentechnik fördern – Bio aushungern

Bioland kritisiert Förderpolitik in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg

Mecklenburg-Vorpommern fördert Gentechnik zu Lasten der Bio-Bauern. Dies zeigen die Zahlen, die das SPD-geführte Landwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der PDS im Schweriner Landtag hin veröffentlichte. Die rot-rote Landesregierung fördert die Gentechnik durch die pachtfreie Überlassung von 30 Hektar Ackerland, 2,7 Millionen Euro für das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz und die Überlassung von Gerätschaften im Wert von einer Million Euro. Hinzu kommt noch der Landes-Eigenanteil von 25 Prozent an der Förderung aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung, der auch Gentechnik-Projekte bezuschusst.

Im gleichen Zeitraum setzte die Landesregierung die Umstellungsförderung auf den ökologischen Landbau für landwirtschaftliche Betriebe aus. Begründung: Geldmangel. Auch zukünftig will die Landesregierung nach Angaben des Anbauverbandes Bioland die Förderung für neue und bestehende Biobetriebe runterfahren. „Wenn das Landwirtschaftsministerium immer wieder betont, wie gut der ökologische Landbau zu Mecklenburg-Vorpommern passe, dann steht das deutlich im Widerspruch zu seiner Förderpraxis“, betont Carola Ketelhodt, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes.

Auch das Landwirtschaftsministerium in Brandenburg macht sich für mehr Gentechnik auf dem Acker stark. Bei der Vorstellung der neuen „Strategie zur energetischen Nutzung von Biomasse bis zum Jahr 2010“ sagte Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) nach Angaben des Berliner Tagesspiegel: „Bei nachwachsenden Rohstoffen kommen wir ohne die grüne Gentechnik nicht weiter“. Für Heike Kruspe, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes Brandenburg, „spielt es in Bezug auf die Umweltauswirkungen und ihre Koexistenzfähigkeit keine Rolle, ob Gentech-Pflanzen als Lebens- oder Futtermittel oder als nachwachsender Rohstoff auf den Acker gelangen.“ Das sieht auch der Fachverband Biogas so. Aus fachlichen Gründen und Unsicherheiten zur Frage der Haftung sowie nicht auszuschließenden gesundheitlichen Auswirkungen rät er seinen Mitgliedern dringend von einem Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen ab. Auch in Brandenburg plant die Landesregierung, die Flächenprämien für Bio-Bauern drastisch zu kürzen. In einem Brief appellierte die Fördergemeinschaft ökologischer Landbau an die Landesregierung, einer der wenigen Brandenburger Zukunftsbranchen nicht zum falschen Zeitpunkt das Wasser abzugraben.

Mehr zum Thema: Nachwachsende Rohstoffe als Einfallstor für die Agro-Gentechnik

powered by