Nachrichten | 29.7.2006

Der Herbst wird heiß

Über 30 Verbände rufen zum Protest gegen neues Gentechnikgesetz auf

Umwelt-, Verbraucher-, Bio- und Bauernverbände machen gegen die Pläne der Großen Koalition zur Änderung des Gentechnikgesetzes mobil. Die Verbände befürchten "die flächendeckende gentechnische Verunreinigung der gesamten Landwirtschaft" und rufen deshalb zu Protesten auf. Mit Tausenden gelben Luftballons wollen sie im September in Berlin in einer großen Aktion den Schriftzug "Genfood - Nein Danke" bilden. Anschließend sollen die Ballons in den Himmel aufsteigen und symbolisch deutlich machen, wie weit manipuliertes Erbgut durch Pollenflug verbreitet werden kann.

Wer sich an dieser Aktion beteiligen will, kann unter der Internet-Adresse www.gentechnik-stoppen.de Protestballons bestellen, ebenso Mitmach-Postkarten und Plakate, um für die Aktion zu werben. Die Internet-Seite bietet auch die Möglichkeit, dem örtlichen Bundestagsabgeordneten eine Protest-Mail zu senden.

Anlass für die Aktion ist die Ankündigung der Bundesregierung, nach der Sommerpause das deutsche Gentechnikgesetz verändern zu wollen. Die wichtigsten Punkte:

Haftung: Sie soll auf Gen-Verunreinigungen beschränkt werden, die über dem gesetzlichen Kennzeichnungsgrenzwert von 0,9 Prozent liegen. Ist die Verunreinigung geringer, bekommen die betroffenen Bauern kein Geld, auch wenn sie einen Schaden erleiden. Dies würde vor allem Öko-Bauern treffen, da ihre Kunden keine Gen-Verunreinigung tolerieren.

Freisetzungen: Die Bundesregierung will - Freisetzungen zu Forschungszwecken voran treiben und rechtfertigt das als Sicherheitsforschung. Bereits in diesem Jahr durften Universitäten erstmals in Deutschland genmanipulierten Raps und Gerste anbauen. Gepflanzt wurden auch Kartoffeln, die Erbgut des Cholera-Erregers enthalten.

Forschung: Kontaminieren bei Forschungsvorhaben genmanipulierten Organismen (GVO) Futter- und Nahrungsmittel, sollen diese dennoch verkauft werden dürfen. Dieses Vorhaben widerspricht nach Ansicht der Umweltverbände dem EU-Recht.

"Die Bundesregierung will der Gentechnik-Industrie einen Freifahrtsschein zur umfassenden gentechnischen Kontamination erteilen. Damit verlieren die Menschen in Deutschland das Recht, sich auch weiterhin gentechnikfrei zu ernähren. Das ist völlig inakzeptabel", kommentiert Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Vorhaben. Günter Metzges vom Online-Bürgernetzwerk Campact verweist auf den mehrheitlichen Willen der Verbraucher: "In Europa ist die große Mehrheit der Verbraucher gegen den Einsatz von Gentechnik in Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung. Die Agro-Gentechnik darf nicht gegen den Willen der Bürger durchgesetzt werden. Wir fordern die Abgeordneten des Bundestages auf, sich nach den Menschen und nicht nach den Interessen einiger Gentechnik-Konzerne zu richten."

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