Nachrichten | 7.8.2006

Jetzt auch in China

Gen-Baumwolle macht Bauern ärmer

Eine Studie der Cornell Universität und der chinesischen Akademie der Wissenschaft hat festgestellt, dass Landwirte, die genmanipulierte Baumwolle anbauen, ebensoviel Pestizide spritzen müssen wie herkömmliche Baumwoll-Bauern. Da sie aber dreimal mehr für ihr Saatgut zahlen, schneiden sie unter dem Strich schlechter ab.

Die Studie ist nach Angaben der Cornell-Universität die erste, die sich mit den Langzeit-Folgen des Anbaus von Bt-Baumwolle befasst. Diese Gentech-Baumwolle produziert das Gift eines Bodenbakteriums (Bacillus thuringiensis) und wehrt sich so gegen bestimmte Schädlinge. Sie wird in manchen Gegenden Chinas inzwischen seit sieben Jahren eingesetzt. Professor Per Pinstrup-Andersen, Mit-Autor der Studie, ist ein bekannter Befürworter der Gentechnik und hat in den Jahren zuvor immer wieder auf seine Studien hingewiesen, wonach der Anbau der Bt-Baumwolle Pestizide einspare. Jetzt musste er eingestehen, dass dieser Einspareffekt nach mehreren Anbaujahren verschwunden ist.

Schuld am zunehmenden Pestizideinsatz sind laut der Untersuchung Schädlinge, denen das von den Baumwollpflanze produzierte Bt-Gift nichts anhaben kann. Sie haben derart überhand genommen, dass manche der 481 befragten Bauern bis zu 20 Mal in einer Saison Pestizide spritzen mussten, um sie unter Kontrolle zu halten. Der erhöhte Pestizideinsatz führte dazu, dass die Gentech-Bauern im Schnitt acht Prozent weniger Einkommen hatten als gentechnikfrei wirtschaftende Kollegen.

Die Autoren der Studie befürchten, dass der zunehmende Schädlingsbefall ein großes Problem für die Länder werden könnte, die bereits jetzt im großen Stil Bt-Baumwolle anbauen. Dies sind neben China die USA, Argentinien und Indien, in geringerem Umfang Südafrika und Mexiko. Insgesamt stammt etwa ein Drittel der weltweiten Baumwollproduktion von Bt-Baumwolle.

Die Wissenschaftler forderten Forscherkollegen und Regierungen auf, sich des Problems anzunehmen. Ansonsten würden die Bauern den Anbau von Bt-Baumwolle einstellen „und das wäre sehr bedauerlich“ zitiert eine Pressemeldung der Cornell-Universität ihren Professor Per Pinstrup-Andersen. Schließlich könne Bt-Baumwolle, richtig genutzt, dazu beitragen, Armut und Unterernährung in Entwicklungsländern zu reduzieren. Ein Lösungsvorschlag der Universität: Eine BT-Baumwolle entwickeln, die auch diesen anderen Schädlingen widersteht.

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