Nachrichten | 12.9.2006

Gentech-Reis bei Aldi-Nord

Greenpeace findet kontaminierten Reis im Discounter-Regal und in Asia-Läden

Der von Aldi Nord verkaufte Langkornreis der Marke Bon-Ri enthält nach Untersuchungen im Auftrag von Greenpeace illegalen, genmanipulierten Reis. Der Reis stammt aus den USA und ist mit der Gen-Reissorte LLRice 601der Bayer AG verunreinigt. Dieser Reis ist so manipuliert, dass er gegen das Bayer-Pestizid Liberty Link resistent ist. Auch in chinesischen Reisnudeln der Marke Swallow Sailing aus Asia-Läden fand Greenpeace Gen-Reis-Kontaminationen. In diesen Fällen handelte es sich um Reis, der ein giftiges Eiweiß produziert, um Insekten abzuwehren. Keine dieser Gen-Reissorten ist laut Greenpeace für den Verzehr zugelassen und auf Gesundheitsgefahren getestet worden.

Eine Sprecherin von Aldi Nord erklärte auf Presseanfragen hin, die Untersuchungsberichte, die dem Unternehmen bisher vorlägen, bestätigten die Analysen von Greenpeace nicht. Man werde aber neue Untersuchungen vornehmen und zudem die betroffene Ware zurücknehmen. Von den 35 Regionalgesellschaften von Aldi Nord seien nur 8 betroffen.

Die gentechnische Verunreinigung von US-Langkornreis mit LLRice 601 wurde bereits im Januar 2006 entdeckt. Doch die Bayer AG informierte die US-Behörden erst im Juli. Die EU erfuhr davon schließlich am 18. August 2006. Seit 23. August darf Langkornreis aus den USA nur in die EU eingeführt werden, wenn er nachweislich nicht verunreinigt ist. Der aktuelle Reis-Fund in Deutschland zeigt nach Ansicht von Greenpeace, dass die bisherigen Massnahmen der EU nicht ausreichen. Die EU sollte nicht nur die Kontrollen der Einfuhren verstärken, sondern vorerst alle Reisprodukte vom Markt nehmen lassen, die Langkornreis aus den USA enthalten. "Die Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass kein illegaler Gen-Reis bei ihnen im Kochtopf landet", fordert Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. Japan hat den Import von US-Langkornreis inzwischen gestoppt.

Wie die manipulierten Bayer-Gene in den Reis kamen, ist weiterhin unklar. Die von Bayer 2002 gekaufte Firma Aventis hatte die Sorte LLRice 601 nach eigenen Angaben nur 1998 bis 2001 in Feldversuchen angebaut. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass während dieser Versuche Blütenstaub von LLRice 601 verweht wurde und herkömmliche Reispflanzen befruchtete, deren Körner als Saatgut dienten.

Bei dem illegalen Gen-Reis aus China handelt es sich um einen so genannten Bt-Reis. Bt-Pflanzen wird ein Genkonstrukt des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingesetzt, damit sie einen Giftstoff produzieren, der bestimmte Schädlinge tötet. Der Gen-Reis aus China enthält nach Angaben von Greenpeace eine Variante des Bt-Gifts, das im Verdacht steht, bei Menschen Allergien auszulösen. Greenpeace China deckte bereits im April 2005 den Anbau des nicht zugelassenen Gen-Reises auf Feldern in der chinesischen Provinz Hubei auf. Die Universität für Landwirtschaft in Wuhan, der Provinzhauptstadt von Hubei, hatte den Reis zu Versuchszwecken angebaut, das genmanipulierte Saatgut aber auch unerlaubt an Bauern verkauft.

Weitere Informationen:

Flugblatt „Reis in Gefahr“

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