Nachrichten | 20.9.2006

Gen-Hefe in US-Wein

Winzerverbände fürchten um ihre Export-Märkte

US-Winzer vermarkten in diesem Jahr erstmals Wein, den sie mit Hilfe genmanipulierter Hefen herstellten. Um welche Mengen und Marken es sich handelt, ist allerdings unbekannt. Denn der Wein muss in den USA nicht gekennzeichnet werden. Der Hersteller der Hefen, der französische Konzern Lesaffre, schweigt sich über seine Kunden aus. Denn die meisten kalifornischen Winzer lehnen den Einsatz ab. Sie fürchten, dass der Export nach Europa unter der Debatte leiden könnte.

Unter Berufung auf Vertreiber der Hefe meldeten kalifornische Zeitungen den Einstieg in die gentechnisch manipulierte Produktion – zumindest bei einigen Winzern. Die verwendete Rotwein-Hefe namens ML01 ist so verändert, dass sie die bei der Vergärung entstehende Apfelsäure in die mildere Milchsäure umwandelt. Das macht den Geschmack des Weins lieblicher, stabilisiert die Farbe und verringert den Gehalt an Histaminen im Wein. Diese Stoffe können bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen auslösen. Die US-Landwirtschaftsbehörde hat die Hefe als Zusatzstoff ohne Einschränkungen zugelassen.

Doch die Begeisterung mancher Kollegen für die Gen-Hefe macht den Winzerverbänden Kopfweh. Das California Wine Institute, dem die meisten Weinhersteller des US-Bundesstaates angehören, erklärte, dass „bei der Herstellung von kalifornischem Wein keine gentechnisch veränderten Organismen benutzt würden.“ Allerdings kann das Institut Keltereien nicht verbieten, die neue Gen-Hefe einzusetzen. Auch Weinbauverbände in Australien und Südafrika haben sich zur Gentechnikfreiheit ihrer Produkte bekannt. Dabei haben die großen Hefe-Hersteller weitere genmanipulierte Hefen in ihren Entwicklungslaboren. Doch US-Kommentatoren rechnen damit, dass sie aufgrund der breiten Ablehnung dort bleiben und in absehbarere Zeit nicht auf den Markt kommen werden.

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