Nachrichten | 25.9.2006

Seehofer stimmt für Gen-Raps

EU will die Einfuhr keimfähiger Samen erlauben

Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat im EU-Agrarministerrat für die Einfuhr von keimfähigen Gen-Rapssaaten der Firma Bayer gestimmt. Bio- und Umweltverbände kritisierten sein Verhalten als nicht nachvollziehbar. Sie halten Gen-Raps generell für nicht koexistenzfähig.

Bisher darf Gen-Raps, etwa aus Kanada oder den USA, nur in verarbeiteter Form als Öl oder Futtermittel in die EU importiert werden. Die Bayer AG hatte beantragt, ihren Gen-Raps auch in Form von Rapssamen einführen zu dürfen. Die Samen sollen dann in Ölmühlen in der EU verarbeitet werden. Im Agrarministerrat stimmten 14 der 25 Mitgliedstaaten dagegen. Da zur Ablehnung aber eine zwei Drittel-Mehrheit erforderlich ist, gilt die Abstimmung als Patt. Somit darf die Europäische Kommission über die Zulassung entscheiden. Die hat in der Vergangenheit in solchen Fällen jedem Antrag zugestimmt. Bei früheren Gentechnik-Abstimmungen hatte sich Deutschland fast immer enthalten. Diesmal hob Minister Seehofer die Hand für die Einfuhr von Gen-Raps.

„Da vertritt Bundesminister Seehofer landauf und landab, dass gentechnisch veränderter Raps stark auskreuzt und deshalb nicht koexistenzfähig mit einer gentechnikfreien Landbewirtschaftung ist. Trotzdem stimmte die Bundesregierung in Brüssel für die Zulassung von keimfähigen Körnern für die Futtermittelherstellung aus gentechnisch veränderten Rapssorten– wo bleibt da noch die Glaubwürdigkeit?“ kommentierte Georg Janssen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. Seehofers Verhalten. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes ökologische Lebensmittelwirtschaft stieß ins gleich Horn: „Bundesminister Seehofer kann nicht in Deutschland verkünden, die Lebensmittelerzeugung ohne Gentechnik sichern zu wollen und in Brüssel Entscheidungen treffen, die dem völlig entgegen stehen."

Mit Beispielen aus Japan belegte die Umweltorganisation Friends of Earth (FoE), dass Raps-Samen beim Verladen oder beim Transport in die freie Natur gelangen und dort aufkeimen können. Der grüne EU-Abgeordnete Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf wies darauf hin, dass sich die kleinen Rapskörner kaum aus den Ritzen und Nischen von Lagern und Verarbeitungsmaschinen entfernen lassen. Der Gen-Raps sei deshalb nicht sauber von gentechnikfreier Ware zu trennen. FoE-Expertin Helen Holder rief die Kommission dazu auf, die Bedenken der Mehrheit ihrer Mitgliedsstaaten ernst zu nehmen und die Zulassung zu verweigern.

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