Nachrichten |23.10.2006

Anhörung im Bundestag

Bundesforschungsanstalt: Auskreuzung ist unvermeidbar

Das gentechnisch manipulierte Pflanzen ihr Erbgut über Auskreuzungen weitergeben, ist unvermeidlich und sollte bei Freisetzungsversuchen in Kauf genommen werden. So steht es in einer Stellungnahme der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, die sie für den Landwirtschaftsausschuss des Bundestages verfasst hat. Der hat für kommende Woche Verbände und Experten zu einer Anhörung geladen, um sich über die „gute fachliche Praxis“ beim Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) zu informieren.

Dann wird auch über die Stellungnahme von Dr. Gerhard Rühl von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft debattiert werden. Dieser antwortet auf eine Frage nach Innovationshemmnissen für die Grüne Gentechnik: „Eine Null-Toleranz der Auskreuzung aus experimentellen Freisetzungsexperimenten widerspricht dem stufenweisen Prinzip der risikobewerteten Entlassung von GVO in die Umwelt. Auskreuzung ist für viele Pflanzenarten ein biologisches Prinzip und deshalb unvermeidbar. Eine Auskreuzung sollte als bewusst in Kauf genommene Folge einer Freisetzungsgenehmigung toleriert werden, da die Genehmigung nur für einen geprüft sicheren GVO räumlich und zeitlich begrenzt erteilt wird.“

Welche Folge solche zu tolerierenden Auskreuzungen haben können, zeigt derzeit der Genreis-Skandal. Auskreuzungen aus Freisetzungsversuchen der Jahre 1998 bis 2001 haben zu flächendeckenden Verunreinigungen der US-Reisernte geführt. Der verunreinigte Reis darf in weiten Teilen der Welt nicht verkauft werden. Die Reis-Anbauer erleiden Millionen-Schäden. Über die gesundheitlichen Auswirkungen des genmanipulierten Reises liegen keine Daten vor.

Neue Haftungsregel fördert GV-Anbau

Bei der Diskussion um die gute fachliche Praxis geht es darum, welche Regeln GVO-Anbauer bei Anbau und Ernte einhalten müssen, damit es in benachbarten gentechnikfreien Feldern nicht zu Verunreinigungen kommt. Die Bundesregierung will die GVO-Anbauer erst dann haften lassen, wenn die Verunreinigung 0,9 Prozent überschreitet. Für Öko-Bauern und viele ihrer konventionellen Kollegen sind jedoch auch Erzeugnisse mit Verunreinigungen von 0,1 Prozent und weniger unverkäuflich. Wäre, wie im derzeitigen Gentechnikgesetz, auch eine Kontamination von 0,1 Prozent einklagbar, hätte dies nach Ansicht der Bundesforschungsanstalt Folgen: „In dem Fall wäre allenfalls ein regional konzentrierter Anbau von GV-Pflanzen denkbar. Allerdings wäre der Anreiz des GV-Anbaus für die Landwirte wesentlich geringer, da der Tatbestand einer minimalen Einkreuzung oder Vermischung (z.B. bereits im eingesetzten Saatgut) sofort zu einem Haftungsfall führen würde.“

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