Nachrichten |23.10.2006

Gen-Mais

Noch mehr Geheim-Anbau

In den Jahren 1998 bis 2004 ist in Deutschland deutlich mehr Gen-Mais angebaut worden als bisher bekannt war. Dies ergaben parlamentarische Anfragen im Bundestag und im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Öffentlich geworden war der jahrelange Geheimanbau von Gen-Mais zufällig im vergangenen August anhand eines Falles im nordrhein-westfälischen Greven. Damals wies der Anbauverband Bioland auf das vermutliche bundesweite Ausmaß des Geheimanbaus hin und forderte Aufklärung.

Auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hin teilte die Bundesregierung mit, dass von 1998 bis 2004 in sieben Bundesländern an insgesamt 105 Standorten Freisetzungsversuche mit insgesamt 18 gentechnisch veränderten Maissorten durchgeführt wurden (Bundestagsdrucksache 16/2814). Da eine gesetzliche Informationspflicht erst seit Dezember 2004 besteht, wussten oftmals weder Nachbarn, noch benachbarte Landwirte oder sonstige Interessierte Bescheid. Der Anbau der genannten Mengen war vom Bundessortenamt in Auftrag gegeben worden, um zu prüfen, ob die Maissorten saatgutrechtlich zugelassen werden können. 16 der 105 Standorte lagen in Nordrhein-Westfalen. Sie sind in einer Antwort des Landwirtschaftsministers Eckhard Uhlenberg auf Anfragen von Grünen und SPD im Landtag aufgelistet. Zusätzlich erwähnte der Minister zwei bisher unbekannte Fälle, in denen 1999 Raps zu Versuchszwecken angebaut wurde. Die Bundestagsfraktion der Linken forderte als Konsequenz aus den bekannt gewordenen Versuchen eine nachträgliche Ausweitung des bestehenden Standortregisters auf Anbauversuche aus den Jahren vor 2004.

Bei den jetzt bekannt gewordenen Anbauversuchen handelt es sich nicht um Freisetzungsversuche mit neuentwickelten Gen-Pflanzen. Die mussten auch früher schon öffentlich bekannt gemacht und von einer Bundesbehörde (damals das Robert-Koch-Institut) genehmigt werden. Daneben gab es aber auch Versuche mit Mais- und Raps-Sorten, die zwar eine EU-weite gentechnikrechtliche Zulassung hatten, aber keine Sortenzulassung nach dem deutschen Saatgutrecht. Diese ist aber Voraussetzung für den kommerziellen Anbau. Erst im Dezember 2005 wies Agrarminister Horst Seehofer das Bundessortenamt an, dem Gen-Mais MON 810 eine solche Zulassung zu erteilen. Doch schon in den Jahren zuvor hatte das Bundessortenamt im Rahmen der saatgutrechtlichen Zulassung so genannte Wertprüfungen erlaubt. Dabei sähten Bauern im Auftrag der Saatgutzüchter auf kleineren Flächen den Gen-Mais aus, um Wachstum und Ertrag zu dokumentieren. Der geernteten Mais verfütterten sie meist an die eigenen Tiere. Besondere Sicherheitsauflagen gab es keine. Vorgeschrieben war nach Angaben der Bundesregierung, um die gentechnisch veränderten Pflanzen jeweils mindestens zehn Meter breite Schutzmäntel aus konventionellem Mais zu pflanzen. Dass es solche Wertprüfungen gab, war bekannt. Das Bundessortenamt veröffentlichte jährlich, wie viel Saatgut dafür vorgesehen war, 2002 waren es zum Beispiel 50 Tonnen. Doch die Menge der Versuche und die Orte des Anbaus waren unbekannt.

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