Nachrichten | 2.10.2006

Bier muss gentechnikfrei bleiben

Brauereien wollen das Reinheitsgebot erweitern.

Drei mittelständische Brauereien haben die bayerische Staatsregierung aufgefordert, im Reinheitsgebot für Bier die Gentechnik-Freiheit festzuschreiben. „Deutsches Bier soll auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben“, verlangten der Neumarkter Lammsbräu, das Brauhaus Riegele Augsburg und die Stralsunder Brauerei in einem Manifest, das sie in München vorgestellten. Der Inhaber des Neumarkter Lammsbräu, Bio-Brauer Franz Ehrnsperger, betonte: „Wir warnen davor, dass bei Verwendung genmanipulierter Zutaten wie Gerste oder Weizen das deutsche Bier seine Qualität verliert und es möglicherweise gesundheitsschädlich für die Verbraucher ist.“ In Göttingen wuchs in diesem Jahr erstmals genmanipulierte Braugerste in einem Feldversuch. Ein Versuch mit Gen-Weizen ist beantragt.

Für Franz Ehrnsperger birgt schon dieser Versuchs-Anbau erhebliche Risiken. „Man kann nicht verhindern, dass das Erbgut durch Pollenflug auf andere Sorten übergeht. So könnte sich das genveränderte Erbmaterial überall durchsetzen." Sebastian Priller vom Brauhauses Riegele verwies auf die jüngsten Erfahrungen mit Reis: „Plötzlich ist der Genreis da, und keiner weiß, woher er kommt." Das Beispiel zeige, dass die Kontamination anderer Flächen unvermeidlich sei.

In Japan, Großbritannien und Schweden werde bereits Bier mit gentechnisch verändertem Mais oder manipulierter Hefe gebraut. «In Deutschland darf es nicht soweit kommen, wir können das Ruder gerade noch herumreißen», sagte Ehrnsperger.

Die drei Brauer forderten bei der Unterzeichnung des Manifests alle deutschen Brauereien auf, sich ihnen anzuschließen. Leider habe man bislang keine Unterstützung durch den Brauerbund erhalten. Derzeit sei es nicht im Interesse aller Verbandsmitglieder, dieses Manifest zu unterschreiben, sei die Antwort auf eine gewesen. Viele der großen deutschen Brauereien befinden sich in den Händen von internationalen Konzernen, die der Gentechnik grundsätzlich offen gegenüber stehen.

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