Nachrichten | 5.11.2006

Erfolgreicher Protest

13.000 Luftballons fliegen gegen Genfood / CSU will strengeres Gesetz

Genau 13.061 gelbe Luftballons formten am Donnerstag, den 2. November, auf einer Wiese im Berliner Regierungsviertel den 60 Meter breiten Schriftzug „Genfood – Nein Danke“. Danach erhoben sich die Ballons in die Luft und symbolisierten den Pollen von Gentech-Pflanzen, der - einmal in die Umwelt entlassen - nicht mehr rückholbar ist.

Jeder dieser Ballons wurde via Internet von einem Menschen bestellt, der damit gegen eine Verwässerung des Gentechnikgesetzes protestieren wollte. Diese Botschaft trugen die Ballons auf Postkarten davon, um mehr Leute über den Gentechnikkurs der Großen Koalition zu informieren. Die Internetaktivisten von www.campact.de und die über 30 unterstützenden Verbände und Unternehmen freuten sich, dass die Aktion trotz widriger Witterungsverhältnisse erfolgreich über die Bühne ging.

Ein Erfolg der Gentechnikfrei-Bewegung ist auch der aktuelle Zwist in der großen Koalition. Die CSU hat auf die breiten Proteste reagiert und die bisherigen Pläne ihres Landwirtschaftsministers Seehofer zur Änderung des Gentechnikgesetzes kritisiert. „Bei der Änderung des Gentechnik-Gesetzes muss die Sicherheit Vorrang vor Marktinteressen haben“ sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder im Handelsblatt. Er bemängelte den für Gen-Mais geplanten Sicherheitsabstand von 150 Metern als zu gering und forderte: „Zudem muss die Haftungsfrage abschließend geklärt werden. Sie darf am Ende nicht beim Verbraucher oder den Landwirten liegen, sondern muss die Hersteller in die Pflicht nehmen.“ Söder sprach sich für ein fünfjähriges Moratorium für den kommerziellen Anbau von Genpflanzen aus, wie es die Schweizer beschlossen haben. Zur Begründung des Kurswechsels zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen nicht genannten ranghohen CSU-Politiker: „Wir müssen verhindern, dass die Gentechnik ein Identifikationsthema der Grünen bleibt, mit dem sie die Jungen, die Bauern und die Kirchen gegen uns in Stellung bringen.“ Und weiter schreibt das Blatt: „Seehofers Problem besteht darin, die Interessen der CSU, die 2008 Kommunal- und Landtagswahlen zu bestehen hat, mit den Innovationszielen der Kanzlerin in Einklang zu bringen. Nicht wenige in seinem engen Umfeld sehen das als „Quadratur des Kreises“ an.

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